Aus: Ausgabe vom 05.03.2018, Seite 9 / Kapital & Arbeit

Destination Kuba

Trotz Reisewarnung und Trump-Verdikt: Immer mehr US-Bürger wollen die Insel besuchen. Kreuzfahrt-Reedereien erweitern ihr Angebot

Von Volker Hermsdorf
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Vergnügungsdampfer am Malecon. Im vergangenen Jahr besuchten mehr als vier Millionen Touristen die Insel

In den USA steigt die Nachfrage nach Kreuzfahrten mit Reiseziel Kuba weiter. Trotz verschärfter Sanktionen, neuen Einschränkungen der Reisefreiheit für US-Bürger und einer Reisewarnung der US-Regierung ist das Interesse am Besuch der nur 225 Seemeilen von Miami entfernten Insel so groß wie nie zuvor. Davon profitieren vor allem die großen Kreuzfahrtunternehmen mit Sitz in den USA, deren Geschäfte mit Kubatouren derzeit expandieren. Für die nächsten zwei Jahre haben die Reedereien bereits eine Ausweitung ihrer Angebote und neue Rekordzahlen angekündigt.

Wie die kubanische Parteizeitung Granma am vergangenen Mittwoch berichtete, bietet allein die in Miami ansässige »Carnival Cruise Line«, Tochter des weltgrößten Kreuzfahrtveranstalters, der britisch-US-Amerikanischen »Carnival Corporation & plc«, im kommenden Jahr 17 neue Fünftagestouren von der Metropole Floridas in die Karibik an, bei denen Havanna als erstes Ziel angelaufen wird. US-Präsident Donald Trump hatte im Juni 2017 zwar die Möglichkeiten für individuelle Reisen von US-Bürgern drastisch eingeschränkt, Kreuzfahrten jedoch ausdrücklich von den neuen Reiseverboten ausgenommen. Darüber freut sich die Präsidentin der Carnival Cruise Line, Christine Duffy. Die größte Insel der Antillen sei ein gefragtes Ziel und ihr Unternehmen sei froh darüber, den Kunden künftig mehr Angebote machen zu können, um »die faszinierende Insel« persönlich kennenzulernen. Die Reedereimanagerin widersprach damit auch einer »Reisewarnung« des US-Außenministeriums vom September letzten Jahres, derzufolge für Bürger der USA in Kuba »Sicherheits- und Gesundheitsrisiken« bestünden.

Anlaufpunkt Havanna

Auch Michael Bayley, Präsident des weltweit zweitgrößten Kreuzfahrtunternehmens »Royal Caribbean Cruises« mit operativer Hauptzentrale in Miami, will von Washingtons Unterstellungen nichts wissen. »Seit wir 2017 zum ersten Mal Kuba im Angebot hatten, sind unsere Passagiere von der Einfahrt nach Havanna begeistert. Und wenn das Schiff einige Tage später wieder ausläuft, schwärmen sie von der Stadt, ihrer Architektur, dem Essen, der Musik und vor allem von den Menschen in Kuba.« Gegenüber dem britischen Fachmagazin »Cruise Trade News« kündigte Bayley den weiteren Ausbau des beliebten Segments an. »Die positive Reaktion auf unsere Kubatouren ist für uns ein großer Ansporn, in diesem Bereich künftig mehr anzubieten«, erklärte er. Für den Zeitraum zwischen Januar 2018 bis März 2019 hat die Reederei ihr Angebot auf insgesamt 28 Kreuzfahrten aufgestockt, bei denen Häfen des Inselstaates angelaufen werden.

Mit acht neuen Abfahrten von Miami aus will auch der dritte Riese im Kreuzfahrtgeschäft, die »Norwegian Cruise Line Holding«, ebenfalls mit Sitz in Miami, an dem Boom teilhaben. Die »Regent Seven Seas Cruises«, eine Tochtergesellschaft der Holding, kündigte für die Saison 2019 und 2020 zunächst acht weitere Reisen an. Ihre Kreuzfahrtschiffe »Seven Seas Mariner« und »Seven Seas Navigator«, die zum Luxussegment der Branche zählen, sollen Havanna, Cienfuegos und Santiago de Cuba anlaufen. Die »Norwegian Cruise Line« hat den sozialistischen Karibikstaat seit Mai 2017 im Programm. Damit sei ein alter Wunschtraum des Geschäftsführers Frank del Rio, dessen Familie aus Kuba stammt, in Erfüllung gegangen, vertraute der für den europäischen Markt zuständige Reedereisprecher Christian Böll der Nachrichtenagentur dpa an. Auf dem Schiff erzähle man sich, del Rio habe oben auf der Brücke gestanden und Tränen in den Augen gehabt, als die »Norwegian Sky« zum ersten Mal in Havanna einlief. »Wir sind froh darüber, unseren Gästen künftig mehr Kreuzfahrten zu den historischen und kulturell faszinierenden Zielen auf Kuba anbieten zu können«, erklärte Jason Montague, der Präsident von Regent Seven Seas Cruises, Ende Februar dem Magazin Cruise Trade News.

Foul gegen Individualreisende

Faktisch hindern ein im Juni 2017 von Trump unterzeichnetes Memorandum zur Verschärfung der Sanktionen und die Reisewarnung vor allem solche US-Bürger an einem Trip nach Kuba, die sich als Individualreisende ein eigenes Bild vom Alltag in der Inselrepublik machen wollen. Bereits zwei Tage nach der entsprechenden Erklärung des US-Präsidenten berichtete das Onlineportal Caribbean News Digital im Juni 2017, dass die in Miami ansässige Reederei »Victory Cruise Lines« eine Genehmigung zur Durchführung von Kreuzfahrten nach Kuba erhalten habe. Die US-Firma, die nur ein kleineres Kreuzfahrtschiff besitzt, bietet nach Aussagen ihres Direktors Bruce Nierenberg von Miami aus vierzehntägige Schiffsreisen für jeweils gut 200 Passagiere an. Laut Nierenberg hat die von Trump angekündigte Einschränkung individueller Reisen von US-Bürgern seinem Geschäft genützt, da die Reederei »für rund 700 Dollar ein Paket einschließlich reizvoller Landausflüge« anbiete.

Der Boom der Kreuzfahrtanbieter ist für die von Trumps Reiseverboten betroffenen US-Bürger, die sich keine Schiffsreisen leisten können, wohl kein Trost. Aber auch viele andere lassen sich nicht mehr von Reisen auf eigene Faust abhalten. Bis Ende 2017 hatten 620.000 US-Touristen das Land besucht, ein Anstieg um 217 Prozent gegenüber 2016, meldete das kubanische Tourismusministerium. Die USA stellen damit nach Kanada bereits die zweitgrößte Besuchergruppe. Insgesamt strömten im vergangenen Jahr 4,25 Millionen Touristen nach Kuba, das damit einen Zuwachs von 19 Prozent verzeichnete. Die größten europäischen Besuchergruppen kommen aus Frankreich, Italien, Spanien und Russland. Aus Deutschland kam rund eine Viertelmillion Reisende. Über zehn Prozent mehr als 2016.


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