Aus: Ausgabe vom 13.02.2018, Seite 14 / Feuilleton

Brave Gespenster

Brave Gespenster

Von Rafik Will
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Kollektive Andacht: Das neue Theaterstück von She She Pop

Vom Performance-Kollektiv She She Pop haben Hörspielenthusiasten schon mal gehört. Seine Produktion »Testament« (DKultur 2011) wurde 2012 mit dem Hörspielpreis der Kriegsblinden ausgezeichnet. Am vergangenen Freitag hatte nun ein Theaterstück der Gruppe im Berliner Hebbel am Ufer Premiere: »Oratorium – Kollektive Andacht zu einem wohlgehüteten Geheimnis«. In dieser Arbeit zu Eigentumsbildung und Gentrifizierung bildet das Publikum immer wieder einen stimmgewaltigen Chor. Die Texte werden auf einer Leinwand eingeblendet. Wie brav die Zuschauer die vorgegebenen Zeilen deklamieren, ist erstaunlich, wenn nicht beängstigend.

Das Stück fürs Radio zu adaptieren, dürfte schwierig werden. Wie sollten die Hörer die Texte zu lesen bekommen? Möglich wäre ein Mix aus Studioproduktion und Mitschnitt einer Theateraufführung. Vielleicht mittels Kunstkopf-Stereophonie, um das gespenstische Raumgefühl zu transportieren, das der Publikumschor erzeugt? Helmut Kopetzky widmet sich im Feature »Der Kunstkopf-Mann – Letzte Reise des Tönefängers Matthias von Spallart nach Amazonien« (NDR/DLF 2018; Ursendung heute, 20 Uhr, NDR Kultur und Wdh. So., 18 Uhr, HR 2 Kultur) ebendieser Technik. Der Titelheld brachte sie einst mit ins Amazonasbecken, um dort indigene Sprachen und Gesänge aufzunehmen – erfolglos. Nach seiner Rückkehr erhängte er sich.

Der »Radiotatort« kommt in diesem Monat von Katja Röder: »Im Königreich Deutschland« (SWR 2018; Ursendung Mi., 20 Uhr, Bayern 2, Wdh. Fr., 22 Uhr, SWR 2 u. a.) greift die Debatte um die sogenannten Reichsbürger auf. Die sind richtigerweise die Bösen – allerdings sind die Polizisten mehr oder weniger ausnahmslos Antifaschisten, was ja nicht unbedingt der Realität entspricht.

Im Jahr des ’68er-Jubiläums gibt es zweifellos einen Grund zu feiern, nämlich den Geburtstag des Hörspiels  »Die Maschine« von Georges Perec (SR/WDR 1968; Mi., 21.30 Uhr, DLF Kultur). Hier wird Goethes Gedicht »Wanderers Nachtlied« von einem Computer analysiert und umgebaut. Geburtstag hat bald auch Yoko Ono, am Sonntag wird sie 85. Happy Birthday wünschen Georg Zeitblom mit seiner »Ono Opera« (BR 2004; Do., 19 Uhr, WDR 3) und Jenni Roth mit dem Porträt »Yoko Ono« (BR 2013; Sa., 13 Uhr und So., 21 Uhr, Bayern 2). Mit Roth kann man Ende der Woche auch nach Skandinavien reisen: »Meine Rentiere – Bei den Samen in Lappland« (DLF 2018; Ursendung Fr., 20 Uhr, DLF).

Autobiographisch wird es in Ergo Phizmiz’ »Disappearing Boxes – Meine Operngeschichte« (WDR 2011; Do., 22 Uhr, SWR 2), aber auch in William S. Burroughs’ »Last Words« (BR 2001; Fr., 21 Uhr, Bayern 2) und Duska Roths »Von Zagreb nach Halberstadt« (MDR 2018; Ursendung Sa., 9 Uhr, MDR Kultur und RBB Kulturradio). Mit dem Bericht von einer Reise auf dem Containerschiff nach Australien erfreut Hartmut Geerken die Hörer: »Twenty days of optimism – Ein akustisches Itinerar« (DLF 2017; Sa., 20 Uhr, DLF). Gesine Schmidt beschäftigt sich mit deutsch-chinesischen Paarbeziehungen: »Pfirsichblütenglück« (HR 2018; Ursendung So., 14 Uhr, HR 2 Kultur).

Hörenswert sind zudem »Bass ist Boss – Die Kultur der tiefen Töne« (DLF 2018; Ursendung So., 20 Uhr, DLF) von Olaf Karnik und Volker Zander, Julia Schlagers »40 Grad Unterschied – Thomas Bernhard und Portugal« (ORF 2018; Ursendung So., 20.15 Uhr, ORF Ö1), Nolte Decars Beschäftigung mit Sommerferien in der Provinz, »Das Tierreich« (DLF Kultur 2018; Ursendung Mo., 0 Uhr, DLF Kultur), und Sven Strickers Krimi »Sörensen hat Angst« (DLF Kultur 2018; Ursendung Mo., 21.30 Uhr, DLF Kultur) mit Bjarne Mädel als ängstlichem Kommissar.


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