Aus: Ausgabe vom 10.02.2018, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

Auf Konfrontationskurs

Zu jW vom 22. Januar: »Brüchige Bündnisse«

Der sogenannte »Islamische Staat« (IS) war (…) nie etwas anderes als eine Bodentruppe der USA und der Türkei. Die Offenlegung entsprechender Dokumente wurde seinerzeit in den USA erzwungen. Das politische Schwergewicht McCain hat das mehrfach zu Protokoll gegeben. Erst kam der IS, um die Zentralregierungen in Damaskus (und Bagdad) zu schwächen, dann rückten die kurdisch-arabischen Kämpfer mit massiver Unterstützung nach. Die USA haben genau dort nun Stützpunkte auf syrischem Territorium. (…) Nebenbei wurden von der sogenannten Anti-IS-Koalition, die selbstredend immer eine Anti-Damaskus-Koalition war, an entscheidenden Punkten syrische Regierungstruppen angegriffen, den IS-Kämpfern gezielt Korridore offengelassen oder der Abzug in Richtung syrischer Armee ein uns andere Mal direkt ausgehandelt. Nun rücken die Türken eben nach. Zwischen der Türkei und den USA hat es nie einen grundlegenden Dissens gegeben, es sei denn, man hält offizielle Sprachregelungen und Verlautbarungen für die Wirklichkeit. Die ökonomisch wichtigsten Gebiete Syriens sind eben besetzt, und man wird dort seine Kolonialverwaltung einsetzen, siehe Nordirak. Russland tut gut daran, der direkten Konfrontation mit NATO/USA auszuweichen. Die ist von den Hardlinern in den USA mit ihren satten Mehrheiten im Establishment gewollt. Frau Clinton hat in ihrem Wahlkampf mehrfach offen ausgesprochen, dass sie genau diese zu erzwingen gedenke, wenn Russland nicht klein beigebe. Damit ist alles gesagt. (…)

Christoph Vohland, Bonn

Disziplinierung der Arbeiter

Zu jW vom 1. Februar: »Grundlos bedingt«

(…) Was ist denn so »positiv« an der Sozialversicherung? Dass das kapitalistische Arbeitsethos stark über die »Versicherung« verschärft wird. Nicht ohne Grund wird dem »Bismarckschen Sozialstaat« die Disziplinierung der Arbeiterschaft zugeschrieben. (…) Die Wiederherstellung der Arbeitskraft zwecks Ausbeutung war ja das Ziel der von Bismarck eingeführten Sozialversicherung! (…) Natürlich gibt es am bedingungslosen Grundeinkommen (BGE) viel Kritikwürdiges (…). Es ersetzt natürlich nicht die Demokratisierung der Produktionsmittel, erleichtert aber den Kampf darum, weil niemand mehr um seine Existenz bangen muss. Siehe das oft verdrängte, existenzbedrohende Sanktionsregime beim Arbeitsamt bzw. Sozialamt! (…) In Österreich wird die Drohung, Arbeitslose durch 100prozentige Bezugssperren verhungern zu lassen, in Gerichtsurteilen mit dem Interesse der »Versicherungsgemeinschaft« (was früher die »Volksgemeinschaft« war) gerechtfertigt, dass der Versicherte der Versicherung nicht zu lange auf der Tasche liege. Es ist ein Hohn, mit dem »Versicherungsgedanken« gegen das BGE zu argumentieren! (…)

Martin Mair, Aktive Arbeitslose Österreich

Tropfen auf heißem Stein

Zu jW vom 3./4. Februar: »Langsam, aber sicher«

Ein sehr guter Artikel. Es stört nur, dass auch hier der zionistische Mythos vom wasserknappen Israel weitertradiert wird. »Direkt annektiert werden« soll »vor allem das Jordantal«, da es angeblich »für Israel als Wasserreservoir langfristig unentbehrlich ist«. Das ist falsch. Die Siedler im Jordangraben verbrauchen rund 43 Millionen Kubikmeter jährlich (MKM/Jahr). Da die dortigen illegalen Kibbutzim und Moshavim nur 9.573 Siedler beherbergen, ist das pro Kopf ein Verbrauch von mehr als 12.300 Litern – nicht jährlich, sondern täglich. Astronomisch ist das vor allem, wenn man bedenkt, dass viele palästinensische Nachbardörfer dort pro Kopf gerade einmal 20 Liter täglich bekommen. Aber für Israels riesigen Wassersektor, vor allem seine gefräßige Landwirtschaft mit mehr als 1.200 MKM jährlichen Verbrauchs, sind diese 40 MKM nur ein Tropfen auf dem sprichwörtlich heißen Stein (drei Prozent). (…) Vielleicht verwechselt der Autor hier den Oberlauf des Jordan (700 MKM) mit dessen Unterlauf unterhalb des Tiberias-Sees (leergepumpt; von ehemals 1.340 MKM kommen im Toten Meer gerade einmal noch 20 MKM jährlich an (...). Viel eher geht es Israel bei der Annektion um die Verhinderung palästinensischer Außengrenzen.

Clemens Messerschmid, per E-Mail

Bedenklicher Tarifabschluss

Zu jW vom 7. Februar: »Komplexer Punktsieg«

Ja, der Einstieg in die 28-Stunden-Woche ist da, oder, wie der Verhandlungsführer der IG Metall Roman Zitzelsberger sagte, man habe »in allen drei Kernforderungen Abschlüsse erzielt«. Aber zu welchem Preis! Ich bin selbst ein Mitglied und Funktionär in der IG Metall und halte die lange Laufzeit, die Einmalzahlungen, welche bei wirtschaftlichen Schwächen wieder abgesenkt werden können, und vor allem die Öffnung der 40-Stunden-Deckelung für äußerst bedenklich. Die Öffnung bedeutet weniger Jobs für hochqualifizierte Arbeitnehmer, denn die neuen Arbeitsverträge werden alle auf 40 Stunden ausgelegt sein. Dass sich die Betriebsräte dagegenstellen, ist höchst unwahrscheinlich, denn viele haben jetzt schon bei Verstößen weggeschaut. 27 Monate Laufzeit geben gerade den Kapitalisten in der Automobil- und Maschinenbauindustrie genügend Planungssicherheit, um Milliarden zu scheffeln, ohne etwas abzugeben. Sollte sich die Wirtschaftslage verschlechtern, zahlen die Beschäftigten die Zeche. (…)

Joachim Brecht, per E-Mail

Zielfernrohr und Glasfaser

Zu jW vom 8. Februar: »Macht, Rüstung, Krieg«

Wir wurden ja in letzter Zeit mit Informationen über die »Fusion« der drei Parteien CDU, CSU und SPD nur so überschüttet. Es schien so, als würde ein Dinosaurier ein Ei legen. Heraus kam das Ei eines Kolibris. Einige Hauptergebnisse, welche sich mir (…) einprägten: die große Einigkeit, den Wolf abzuschießen, Ausländer müssen draußen bleiben, und Kupferkabel werden gegen Glasfaserkabel ausgetauscht. Ja, das ist echte Weltpolitik (…). Zu verdanken haben wir dieses Desaster auch der AfD und ihren »Protestwählern«.

Conrad Fink, Freiberg am Neckar

Große Einigkeit, den Wolf abzuschießen, Ausländer müssen draußen bleiben, und Kupferkabel werden gegen Glasfaserkabel ausgetauscht – ja, das ist echte Weltpolitik!