Aus: Ausgabe vom 09.02.2018, Seite 9 / Kapital & Arbeit

Munich Re will schrumpfen

Zu viele Naturkatastrophen? Weltgrößter Rückversicherer plant Jobvernichtung

Munich_Re_56192430.jpg

Der Rückversicherer Munich Re – bekannt auch unter seinem deutschen Firmennamen Münchener Rückversicherungsgesellschaft AG – bereitet den Abbau von Arbeitsplätzen im Konzern vor. Das hat der Vorstandsvorsitzende Joachim Wenning in einem im Firmenintranet des Multis verbreiteten Interview angekündigt. Treffen wird es demnach unter anderem die Münchner Zentrale und die US-Gesellschaft des Konzerns. Zeitrahmen und Umfang des Vorhabens sind offen. Zuvor hatte die Süddeutsche Zeitung (Donnerstag) darüber berichtet. Eine offizielle Bestätigung für das Vorhaben gab es zunächst nicht.

Konzernboss Wenning plant ein »Transformationsprogramm« für das weltweit aufgestellte Unternehmen, die Jobvernichtung ist demnach Teil davon. In dem Interview verweist der Topmanager auf die gesunkenen Gewinne der vergangenen drei Jahre. Das Rückversicherungsgeschäft sei unter Druck: »In diesem Zusammenhang entscheiden die Kosten mehr und mehr, wer im Wettbewerb um Kunden und Geschäft gewinnt und wer verliert.«

Stellen sollen vor allem über Pensionierungen beziehungsweise freiwilliges Ausscheiden von Mitarbeitern abgebaut werden. »Wir sehen das Potential in vielen Bereichen weltweit«, sagte Wenning. Eine aufschlussreiche Wortwahl, ist doch »Potential« meist positiv konnotiert, hier geht es um die Abschaffung von Arbeitsplätzen. Weltweit hatte der Konzern laut Geschäftsbericht 2016 43.428 Beschäftigte, erzielte einen Umsatz von knapp 49 Milliarden Euro und einen Gewinn von gut 2,5 Milliarden Euro.

Gibt es zu viele Naturkatastrophen, die den Konzern in die Knie zwingen? Eher nicht. Schuld an den Schrumpfplänen soll die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank sein, weil viele Kapitalanlagen nichts mehr einbringen. Gleichzeitig wird der Fortschritt in der Informationstechnologie voraussichtlich etliche Jobs in der Branche »überflüssig« machen. Bisher hat die Munich Re vor allem stark in die Digitalisierung investiert und neue Stellen geschaffen – die letztlich erst dazu führen, dass anderswo welche überflüssig werden. Das will Wenning im Rahmen seines Programms fortsetzen und eine neue »Abteilung für Datenjagd« (Data Hunting Unit) aufbauen. (dpa/jW)


Lesetip abgeben

Artikel empfehlen:

Mehr aus: Kapital & Arbeit
  • BRD-Außenwirtschaft 2017 mit neuem Rekordjahr. Die Kritik wegen der Überschüsse wird nicht lange auf sich warten lassen. Doch was bewirkt sie?
    Klaus Fischer