Aus: Ausgabe vom 09.02.2018, Seite 8 / Ansichten

»Aufbau Ost«-Pfusch des Tages: A-20-Krater

Von Michael Merz
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Auf Torf gebaut: Die A 20 bei Tribsee

Die »Krause-Autobahn« gibt derzeit ein ähnlich zerrüttetes Bild ab wie ihr Namensgeber. Davon war wenig zu erahnen, als Verkehrsminister Günther Krause im Jahr 1992 eine Schaufel in die modrige Erde Meck-Pomms rammte. Der CDU-Mann war im Zenit seiner Karriere. Und der erste Spatenstich für die Autobahn 20 wurde mit viel Tschingderassabum als Vorbote dafür gefeiert, dass im Norden bald Milch und Honig fließen.

Es kam anders. Günther Krause wurde Anfang Januar dieses Jahres erneut wegen Insolvenzverschleppung angeklagt. Ihm droht nun Knast, nachdem er bereits 2009 verurteilt wurde. Und auf der A 20 geht mittlerweile streckenweise gar nichts mehr. Seit vergangenem Oktober klafft auf Höhe des Ortes Tribsees ein riesiges Loch im Asphalt, mittlerweile ist es 95 Meter lang, etwa zehn Meter breit und wächst immer weiter. Die Autobahn ist voll gesperrt.

Wenig überraschend sei gewesen, dass die Straße ins Bodenlose absackt, teilte das Verkehrsministerium in Schwerin laut Süddeutsche Zeitung (SZ) vom Donnerstag mit. Risse und Wellen auf der Fahrbahn habe es schon im Jahr zuvor gegeben. Dass sich wenig später die Hölle auftun sollte, damit war zu rechnen. Schließlich ist die Trasse rund um Tribsees auf Torf gebaut. Und im Moorgebiet eine Straße zu bauen, ist nun mal eine teure und aufwendige Angelegenheit. Laut SZ werde spekuliert über die Verwendung zu schwacher Stützen und schlichte Fehlkalkulationen. Seit Monaten staut sich der gesamte Autobahnverkehr in den Dörfern rund um Tribsees. Eine Umleitungsstrecke gibt es noch lange nicht, angeblich sind die Eigentümer der Flächen rund um die A 20 nicht zu ermitteln. Und die vom Tourismus abhängigen Menschen stöhnen angesichts des sich anbahnenden Verkehrschaos in der Ferienzeit. Dieses wird wohl nicht nur einen Sommer währen – frühestens 2021 ist die Autobahn wieder befahrbar.


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