Aus: Ausgabe vom 07.02.2018, Seite 15 / Antifa

Turbulente Veränderungen

Antifa-Broschüre »Fight Back« erschienen

Von Armin Behrens
Rechtsrock_55257502.jpg
Besucher eines Rechtsrock-Konzerts im Oktober in Themar mit dem T-Shirt-Aufdruck »HKNKRZ«

Die sechste Ausgabe der Berlin-Brandenburger Antifa-Broschüre »Fight Back« ist druckfrisch erschienen. Bereits 2001 war die erste Nummer des kostenlosen Recherchemagazins veröffentlicht worden. Die anonymen Autorinnen und Autoren des damals noch 40seitigen Hefts sahen sich der Aufgabe gegenüber, die Neonaziszene Berlins zu durchleuchten: Die Rechten versuchten sich im Spagat zwischen Gewaltausübung in klandestinen Gruppen und Parteiorganisierung. Seit Erscheinen der letzten »Fight Back« im Jahr 2013 beobachten unabhängige Antifas erneut turbulente Veränderungen in der extremen Rechten. Alle neuen Entwicklungen auf diesmal 106 Seiten nachzuzeichnen war da sehr ambitioniert. So konzentriert man sich auf bedeutende Strukturen und Mobilisierungen von 2013 bis heute. Weitere Themen sind der Niedergang der NPD, die Aktionen gegen Unterkünfte für Geflüchtete und der Aufstieg der AfD sowie die »Identitäre Bewegung« – Akteure und Netzwerke werden in dem umfangreich bebilderten Heft klar benannt. Vor allem der Vergleich zwischen Berlin und Brandenburg zeigt höchst unterschiedliche Szenen. Erneut wird deutlich, dass Recherchegruppen der Antifa ein klareres Bild der organisierten Rechten zeichnen als Verfassungsschutzbehörden.

Anstatt wie in früheren »Fight Backs« die rechte Szene anhand der Berliner Bezirke und Brandenburger Regionen zu beschreiben, stehen im neuen Heft Mobilisierungen und Organisationen im Vordergrund. Das einst sehr verbreitete Prinzip von Neonazikadern, vorwiegend im direkten Wohnumfeld aktiv zu sein, ist der überregionalen Vernetzung gewichen. Mit Blick auf organisierte Neonazigewalt, das Rechtsrockgewerbe, auf rechte »Bruderschaften« und Neonazis im Kampfsport werden Themen behandelt, die sich sonst eher unter dem Radar der Öffentlichkeit befinden. Zudem besteht gerade in subkulturellen Szenen mit vielen Rechten die Möglichkeit, ordentlich Geld zu verdienen – sei es mit der Produktion von CDs oder der Organisation von Kampfsportevents.

Es ist kaum anzunehmen, dass Interessierte alle Beiträge lesen und sich sämtliche rechten Kader und Mitläufer einprägen. So liegt die Stärke der »Fight Back« in ihrer Funktion als Nachschlagewerk. Dafür sind das Namensverzeichnis und ein Bilderindex hilfreich. Sie soll lokale Antifas und andere Interessierte befähigen, die aktiven Neonazis zu erkennen. Eine Aufzählung rassistischer Anschläge auf Unterkünfte für Asylsuchende ab dem Jahr 2014 füllt am Heftende drei Seiten und verdeutlicht so, wie wichtig Antifaarbeit eigentlich ist.

www.antifa-berlin.info/recherche/ausgaben


Lesetip abgeben

Artikel empfehlen:

Infos und Verweise zu diesem Artikel:

Ähnliche:

Mehr aus: Antifa