Aus: Ausgabe vom 06.02.2018, Seite 15 / Betrieb & Gewerkschaft

Effizienter arbeiten dank Betriebsrat

DGB wirbt für Wahl der Interessenvertretung. Argumente richten sich auch an Unternehmer

Von Johannes Supe
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Ob die Arbeiter einen Betriebsrat gewählt haben?

In diesem Jahr stehen die für Beschäftigte wohl wichtigsten Wahlen der Bundesrepublik an: Zwischen Anfang März und Ende Mai werden etwa 180.000 Betriebsräte neu bestimmt. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) ruft alle Arbeiter und Angestellten auf, sich an den Wahlen zu beteiligen. Gebildet werden kann die Interessenvertretung, wenn ein Unternehmen mindestens fünf ständige Beschäftige hat. An einige der Gründe, warum die Gremien dringend gebraucht werden, hat die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung noch einmal erinnert.

Die Betriebsräte seien »ein Sprachrohr für Beschäftigte«, heißt es im neuen Böckler-Impuls, dem Informationsdienst der Stiftung. Gebe es Probleme im Betrieb, hätten die Angestellten grundsätzlich zwei Möglichkeiten: kündigen oder nach einer Lösung suchen. An dieser Stelle kämen die Betriebsräte ins Spiel, die die Beschäftigten gegenüber Vorgesetzten vertreten. Das nütze nicht nur dem Kollegen, dessen Problem womöglich gelöst wird. Denn: »Einzelne Beschäftigte haben wenig Anreiz, allein für Änderungen zu streiten, von denen dann alle Kollegen profitieren.« Genau das aber sei die Aufgabe der gewählten Interessenvertretung. Mache sie ihre Arbeit richtig, könne das die Atmosphäre im Betrieb verbessern.

Ein Einsatz, der sich letztlich ebenfalls für das Unternehmen positiv auswirkt. Mit dem Argument wirbt auch der DGB für die Wahl neuer Betriebsräte. In einem Informationsflyer, der sich auf der Homepage des Gewerkschaftsbunds findet, heißt es etwa, dass Unternehmen mit bisher geringer Produktivität ihre Effizienz um 23 Prozent steigern konnten, nachdem eine Interessenvertretung gegründet wurde. Die Angabe beziehen sich auf 2015 von der Hans-Böckler-Stiftung veröffentlichte Ergebnisse einer Untersuchung zum Zusammenhang von Produktivität und Intressenvertretungskörperschaften.

Zudem könnten, so die Hans-Böckler-Stiftung, Betriebsräte im Unternehmen Vertrauen schaffen. Es sei schlicht nicht möglich, alle während der Beschäftigung auftretenden Eventualien in einem Arbeitsvertrag zu regeln. Die Arbeiter und Angestellten müssten darauf vertrauen können, dass etwaige Leerstellen in ihren Verträgen nicht permanent zu ihren Ungunsten ausgelegt würden. Betriebsräte, die Informations- und Mitbestimmungsrechte haben, könnten »die Interessen der Belegschaft wirksam vertreten und die Einhaltung von Versprechen durchsetzen«. So werde ein reibungsloses Arbeiten ermöglicht.

Viele Manager, an die sich dieses Argument hauptsächlich richtet, bleiben von solchen Ausführungen allerdings unbeeindruckt. Darauf deutet vor allem die Tatsache hin, das nicht einmal in jedem zweite Unternehmen, in dem die Belegschaft einen Betriebsrat gründen könnte, ein solches Gremium auch existiert. Lediglich in 42 Prozent der privaten Betriebe mit fünf oder mehr Beschäftigten bestehe eine Interessenvertretung, so die Hans-Böckler-Stiftung. In den ostdeutschen Ländern sind es gar nur um die 33 Prozent, lediglich in Thüringen liegt die Quote mit 40 Prozent etwas höher. Ohne den beharrlichen Widerstand der Unternehmer gegen eine Interessenvertretung wären diese Zahlen nicht zu erklären. Viele Belegschaften verzichten schlicht aus Angst vor Repressalien auf die Wahl eines Betriebsrats.


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