Aus: Ausgabe vom 06.02.2018, Seite 2 / Ausland

Erneut lebenslange Haft

Früherer Chef des vietnamesischen Baukonzerns PVC wieder verurteilt

Von Gerhard Feldbauer
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Der frühere hochrangige Manager des staatlichen Erdöl- und Gaskonzerns Petro-Vietnam, Trinh Xuan Thanh, bei seiner Anhörung am 8. Januar 2018 in Hanoi

Wegen persönlicher Bereicherung und der Veruntreuung von Betriebsvermögen in Millionenhöhe ist der frühere Chef des vietnamesischen Baukonzerns Petro-Vietnam Construction (PVC), Trinh Xuan Thanh, am Montag in Hanoi in einem zweiten Prozess zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden, berichtet die Nachrichtenagentur Vietnam News Agency (VNA). Auf die Todesstrafe, die wegen schwerwiegender Schädigung der Wirtschaft und des Staates verhängt werden kann, verzichtete die Anklagevertretung. Weitere sieben mitangeklagte frühere Manager von PVC erhielten wegen Veruntreuung zwischen sechs und 16 Jahre Haft.

Xuan Thanh, dem Leiter von PVC, einer Tochterfirma des staatlichen Erdöl- und Gaskonzerns Petro-Vietnam (PVN) mit Beteiligung von Auslandskapital, wurde in dem Verfahren nachgewiesen, sich in den Jahren 2009 und 2010 persönlich bereichert zu haben. So hatte er Anteile an einem Projekt in Hanoi weit unter Wert an einen privaten Entwickler verkauft und dafür umgerechnet mehr als eine halbe Million Euro Schmiergeld kassiert. Laut VNA seien dem Staat dadurch Einnahmen von mehreren Millionen Dollar entgangen. Zur nochmaligen Prüfung der Anklage und der von der Verteidigung vorgebrachten Einwände war der Prozess für vier Tage unterbrochen worden. Das Gericht berücksichtigte, dass Xuan Thanh sich schuldig bekannt und seine Mutter zur Wiedergutmachung 88.000 US-Dollar an die Staatskasse gezahlt hatte. Sein Verteidiger Nguyen Van Quynh habe Einspruch angekündigt.

In einem ersten, am 22. Januar zu Ende gegangenen zweiwöchigen Verfahren war Xuan Thanh zusammen mit 21 weiteren früheren leitenden Wirtschaftsfunktionären bereits schwerster Wirtschaftsverbrechen wie der Veruntreuung von Hunderten Millionen Euro angeklagt worden. Wegen »vorsätzlicher Verstöße gegen die Verwaltungsvorschriften des Staates für die Wirtschaftsführung« hatte er bereits einmal lebenslänglich erhalten.

2016 war Xuan Thanh vor der drohenden Verhaftung in die BRD geflohen und hatte politisches Asyl beantragt. Mit der Behauptung, er sei vom Geheimdienst der Sozialistischen Republik Vietnam 2017 gewaltsam nach Hanoi zurückgebracht worden, hatten deutsche Behörden und Medien versucht, Einfluss auf den Prozess zu nehmen.


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