Aus: Ausgabe vom 05.02.2018, Seite 15 / Politisches Buch

Archivare der Arbeiterbewegung

In bibliographischen Skizzen werden Wissenssammler der Werktätigen vorgestellt

Von Holger Czitrich-Stahl

Im Jahr 2009 erschien, herausgegeben von Günter Benser und Michael Schneider, der Band »Bewahren – Verbreiten – Aufklären« über bedeutende Archivare, Bibliothekare und Sammler der Quellen der deutschsprachigen Arbeiterbewegung. Das in Kooperation zwischen der Friedrich-Ebert-Stiftung und dem Förderkreis Archive und Bibliotheken der Arbeiterbewegung erarbeitete Handbuch stieß in Fachkreisen auf reges Interesse und großen Zuspruch. Schon damals betonten die Herausgeber, dass längst nicht alle bedeutenden Personen berücksichtigt werden konnten, die sich um die Quellen-, Dokumenten- und Wissenssammlung der Arbeiterbewegung verdient gemacht haben.

Diese Lücke konnte im vergangenen Jahr etwas weiter geschlossen werden. In einem Supplement, das Günter Benser, Dagmar Goldbeck und Anja Kruke herausgegeben haben, werden 16 weitere bedeutende Archivare, Bibliothekare und Sammler aus der Arbeiterbewegung bzw. ihrem politischen Umfeld bibliographisch skizziert und in ihrer Tätigkeit vorgestellt. Dabei widerspiegeln die unterschiedlichen Lebensläufe immer auch die politischen und ökonomischen Umstände ihrer Zeit und erlauben der Nachwelt einen fokussierten Blick auf sie. Schon bei Eduard Backert, vorgestellt von Willy Buschak, ist dies spürbar. Der Brauereiarbeiter und spätere Gewerkschaftsvorsitzende Backert hatte sich um die Aufarbeitung der Gewerkschaftsquellen, ihres Pressewesens und um deren Dokumentation verdient gemacht, sie in Zepernick durch die Zeit des Faschismus hindurch gerettet und später der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten vermacht. Eine besonders imponierende Geschichte weist die Gelehrtenbibliothek von René und Jürgen Kuczynski auf, die die gesamte Bandbreite sozialistischer, demokratischer und literarischer Quellen und Einflüsse auf die Familie und die Arbeiterbewegung repräsentiert. Auch hier rissen Faschismus und Krieg große Lücken in die Sammlung auch wertvoller Handschriften. Zu den bekannteren Sammlern gehört sicherlich der Berliner Sozialdemokrat und Gewerkschafter Emil Basner. Als er 1920 starb, wurde seine Privatbibliothek aus mehr als 4.000 Bänden von der Berliner Stadtbibliothek erworben, noch heute gehören 886 davon zur Berliner Zentral- und Landesbibliothek.

Günter Benser, Dagmar Goldbeck, Anja Kruke (Hrsg.), Bewahren – Verbreiten – Aufklären. Archivare, Bibliotheken und Sammler der Quellen der deutschsprachigen Arbeiterbewegung. Supplement, Bonn 2017, 165 S., Bezug: d.goldbeck@web.de


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