Aus: Ausgabe vom 05.02.2018, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

Unlautere Kritik

Zu jW vom 23. Januar: »Fakten schaffen hilft«

(…) Wer sind die »mehreren deutschen Umweltverbände«, die sich in der Kampagne gegen »Nord­ Stream II« betätigen? Tatsächlich handelt es sich um den Nabu und den WWF. (…) Durch besonderen klimapolitischen Eifer sind aber weder der Nabu noch der WWF bislang aufgefallen. Der Nabu (…) agiert in vielen Teilen Deutschlands als entschiedener Gegner von Windkraftanlagen. Der WWF, ein fleißiger Spendensammler bei der Industrie, gilt inzwischen weltweit als ein Musterbeispiel für die Korrumpiertheit von NGOs. So verwundert es nicht, dass die beiden Verbände (…) nur teilweise umweltpolitisch argumentieren. Aus ihrer Sicht ist »Nord Stream II« vor allem deshalb abzulehnen, weil das Projekt die »Solidarität innerhalb der Europäischen Union« hintertreibe. Dass der Widerstand gegen »Nord Stream II« nicht zuletzt aus der polnischen Kohleindustrie und der von der EU subventionierten, klimapolitisch höchst fragwürdigen Flüssiggasbranche stammt, lässt erhebliche Zweifel an der Redlichkeit von Nabu und WWF aufkommen.

Richard Kallok, per E-Mail

Kein russischer Verrat

Zu jW vom 25. Januar: »Gespräche über ­Verfassung«

(…) Inwiefern sollte Russland die YPG »verraten« haben? Das setzte mindestens zweierlei voraus: 1.) Russland habe die absolute Kontrolle über die militärische Lage in Syrien, 2.) Russland habe die Strategie der syrischen Kurden, einen selbständigen, eigenen (…) Staat (der »rein zufällig« die wesentlichen syrischen Erdölvorräte umfassen würde), bislang unterstützt. Das Gegenteil ist der Fall. Russland hatte wichtige Gründe, seine Soldaten aus der Deeskalationszone zurückzuziehen. Seit drei Jahren bemüht es sich auch militärisch, den Krieg gegen den syrischen Staat zu beenden, ohne dass dabei dieser Staat ebenfalls zu einem »zerfallenden« wird. Die Strategie der USA und der NATO läuft anders herum – unter Nutzung der kurdischen Selbstbestimmungsbestrebungen das Ziel der Zerschlagung Syriens doch noch zu erreichen. Die Verratsvorwürfe gehen im Kern davon aus, dass Russland es durchaus auf eine militärische Konfrontation mit der Türkei hätte ankommen lassen sollen! Damit wären nicht nur alle Bemühungen der letzten drei Jahre um eine Entschärfung der Lage in der Region schlagartig gescheitert, selbstredend wären alle bisherigen Verhandlungsergebnisse und -gremien erledigt, Russland stünde auch im Krieg mit der NATO, die in Osteuropa hochgerüstet an Russlands Grenzen seit Monaten auf den »Ernstfall« hofft. Dass die USA in dem Falle »unverbrüchlich« an der Seite Erdogans stehen würden – wer will es bezweifeln? (…)

Peter Tiedke, Golzow

Mit Panzern und Galgen

Zu jW vom 27./28. Januar: »Geist geistloser Zustände«

Ich kann mich nicht entsinnen, dass das protestantische »Korrektiv« oder die »Klugheit der Scholastik« die westlichen christlichen Kirchen davon abgehalten hätten, sich am »Kreuzzug« gegen den Kommunismus zu beteiligen, sprich den Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion aktiv zu unterstützen. So gab die evangelische Kirche »ihrem Führer« und seinen »unvergleichlichen Soldaten« den Segen zur Beseitigung des »Pestherdes des Bolschewismus«. Es gab ein Abkommen zwischen dem Vatikan und den Faschisten, das es erlaubte, jesuitische Missionare in die besetzen Gebiete zu schicken, um den Katholizismus in der UdSSR einzuführen. So wollte der Vatikan mit deutschen Panzern und Galgen das jahrhundertealte »Schisma« aus der Welt schaffen. (…) Dass die orthodoxe Kirche kein Erbarmen von der westeuropäischen Variante des Christentums erwarten durfte, zeigte das inquisitorische Wüten der Katholiken unter Ante Pavelic und Jozef Tiso. So kam es dann auch, dass einflussreiche katholische Kreise in England und den USA die Eröffnung der zweiten Front gegen die Nazis verhindern wollten, während die orthodoxe Kirche in Moskau nicht nur einen Anteil an der Mobilisierung der Massen im Großen Vaterländischen Krieg hatte, sondern Sammlungen für den Verteidigungsfond und für die Unterstützung Verwundeter und verwaister Kinder durchführte. (…)

Stephan Jegielka, per E-Mail

Nicht nur Lehrer fehlen

Zu jW vom 1. Februar: »Hausgemachtes ­Desaster«

(…) So erschreckend und real der Lehrermangel ist, so gravierend ist auch der Mangel an qualifiziertem Fachpersonal, was Erzieher und Sozialpädagogen anbelangt. Ich selber bin Erzieher und sehe mich jeden Tag mit einer stetigen Verschlechterung der pädagogischen Standards sowie der Arbeitsbedingungen konfrontiert. Genauso wie in den Klassen ist auch in der Nachmittagsbetreuung ein für Kinder und Kollegen positives Arbeiten kaum noch zu leisten. Es fehlt massiv an qualifiziertem Personal, zudem hat sich das Berufsbild deutlich verändert durch die Einführung des Ganztags an den Schulen. Der Stressfaktor und das geringe Entgelt durch Beschäftigung auf 20-Stunden-Basis führen dazu, dass jeder von uns einen oder zwei weitere Jobs hat und viele schon gestresst zur Arbeit kommen. In den wenigen Stunden, die wir haben, ist es kaum möglich, pädagogisch zu arbeiten. Es wird meist nur noch beaufsichtigt statt erzogen. Kinder benötigen Aufmerksamkeit, Betreuung und persönliche Beratung, finden sie aber nicht oder nur selten. Es ist mehr als nur fünf vor zwölf, was die deutsche Bildungslandschaft anbelangt. Es muss im Interesse eines jeden Menschen in diesem Lande liegen, dass den Kindern eine pädagogisch wertvolle Erziehung zuteil wird.

Tom S. Jäger, per E-Mail

Kleiner Schritt

Zu jW vom 2. Februar: »Mit Posten und ­Sturmtrupp«

Es rückt zusammen, was zusammengehört. Von der biederen AfD zu extrem rechten Organisationen ist es nur ein kleiner Schritt, wenn überhaupt. Dass Sachsens AfD auf eine Kooperation mit »Pegida« setzt, war doch zu erwarten. Denn die AfD braucht »Pegida«, um Stimmung zu machen, und »Pegida« braucht die AfD als die rechte politische Kraft in den Parlamenten. Es zeigt sich deutlich, aus welchem Holz die AfD geschnitzt ist, und nicht nur rechte Scharfmacher wie Björn Höcke. (…)

René Osselmann, Magdeburg

Kinder benötigen Aufmerksamkeit, Betreuung und Beratung. Es ist mehr als nur fünf vor zwölf, was die deutsche Bildungslandschaft anbelangt.