Aus: Ausgabe vom 05.02.2018, Seite 8 / Ansichten

Neue Eiszeit

US-Atomwaffenstrategie

Von Knut Mellenthin
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Die US-Regierung will existierende Atomsprengköpfe von U-Boot-gestützten Langstreckenraketen umrüsten: Die »USS Pennsylvania«

Russland hat »mit tiefer Enttäuschung« auf die Pläne der Trump-Administration reagiert, ihr Nuklearwaffenarsenal in den kommenden zehn bis fünfzehn Jahren vollständig zu erneuern und qualitativ zu verstärken. In diesem Zusammenhang soll schon in naher Zukunft eine bisher nicht genannte Zahl von Atomraketen mit »geringer Auswirkung« auf U-Booten stationiert werden. Diese irreführende Bezeichnung wird für Gefechtsköpfe mit einer Sprengkraft von bis zu 20 Kilotonnen verwendet. In diese Kategorie wäre auch die Bombe gefallen, mit der die USA am 6. August 1945 die japanische Stadt Hiroshima zerstörten und in wenigen Sekunden mehr als 70.000 Bewohner töteten.

Mit dieser Art von Waffen, die oft mit Beiworten wie »Mini« verniedlicht werden, ist eine besondere Gefahr oder sogar die Absicht verbunden, dass eine nukleare Konfrontation als begrenzbar erscheinen könnte und so die Schwelle zum globalen Atomkrieg gesenkt würde. Während des sogenannten Kalten Krieges gab es auf beiden Seiten Tausende solche »Mini Nukes«, deren Sprengkraft zum Teil auf bis zu 0,3 Kilotonnen TNT-Äquivalent reduziert war. Wegen des damit verbundenen Risikos einer Eskalation wurden sie in den 1980er Jahren fast vollständig abgeschafft.

Seither wurden in den USA immer wieder Pläne diskutiert, die diese Entwicklung rückgängig machen sollten. Donald Trump hat die Maßnahme der ­»Modernisierung der Atomwaffen« von seinem Vorgänger Barack Obama übernommen. Praktisch handelt es sich um die Ersetzung so gut wie aller atomarer Gefechtsköpfe und ihrer Trägersysteme – Raketen und Cruise Missiles, aber auch U-Boote und Kampfflugzeuge – durch neue, noch zu entwickelnde oder jedenfalls noch nicht einsatzbereite Modelle. Dafür sollen, das war schon unter Obama geplant, in den kommenden 30 Jahren mehr als 1.000 Milliarden Dollar ausgegeben werden. Vermutlich ist sogar das bei weitem zu niedrig veranschlagt.

Russland werde »alle notwendigen Maßnahmen zur Gewährleistung seiner eigenen Sicherheit ergreifen«, heißt es in einer Stellungnahme, die das Moskauer Außenministerium am Sonnabend veröffentlichte. Scharf kritisiert wird in der Erklärung die »auf Konfrontation ausgerichtete antirussische Natur« der Propaganda, mit der die Trump-Administration ihre Pläne zur atomaren Aufrüstung zu rechtfertigen versucht. Im Wahlkampf hatte der Präsident, der jetzt seit einem Jahr im Amt ist, versprochen, er wolle »mit Russland gut auskommen«. Sofern Trump damit Hoffnungen auf eine Verbesserung der Beziehungen geweckt hatte, hat er diese gründlich enttäuscht. Das politische Klima zwischen Washington und Moskau scheint gegenwärtig sogar noch frostiger als in der zweiten Amtszeit Obamas. Statt einer Umkehr droht ein neues nukleares Wettrüsten.


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Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • René Osselmann: Gegen den Atomwahn Man fragt sich doch ganz im Ernst, welches Lebewesen hier auf unserer Erde wohl das intelligenteste ist, der Mensch wohl doch nicht. Oder wie soll man das sonst sehen, dass die US-Regierung ihr Atomwa...

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