Aus: Ausgabe vom 05.02.2018, Seite 7 / Ausland

40 Kilometer »Pufferzone«

Israel kontrolliert immer größere Gebiete in Syrien. Aufständische Gruppen finanziert und ausgerüstet

Von Karin Leukefeld
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Israelische Panzer im vergangenen November auf den Golanhöhen

Seit Beginn des Krieges in Syrien 2011 hat Israel seinen Einfluss und die Kontrolle über Teile des Nachbarlandes ausgebaut. Ziel der Intervention ist es, sich jenseits der 1967 besetzten und 1981 völkerrechtswidrig annektierten syrischen Golanhöhen weiteres Territorium in Syrien anzueignen. Dabei macht Tel Aviv wie gewohnt »Sicherheitsbedürfnisse« geltend und verweist auf das Engagement des Iran und der libanesischen Hisbollah im Syrien-Krieg.

Ausgangspunkt der israelischen Expansion ist die Pufferzone auf den Golanhöhen, die seit 1974 von einer Beobachtertruppe der Vereinten Nationen (UNDOF) kontrolliert wird. Seit 2012 waren die UN-Blauhelme wiederholt von aufständischen syrischen Kampfgruppen angegriffen worden, die aus Jordanien Unterstützung erhielten. Nachdem zur Jahreswende 2013/14 UN-Soldaten entführt wurden, zogen sich die Vereinten Nationen aus der südlichen und zentralen Pufferzone zurück. Auch die in dem Gebiet lebende syrische Bevölkerung wurde von den Dschihadisten vertrieben.

Der jüngste Halbjahresbericht der UNDOF-Mission vom 27. September 2017 dokumentiert den intensiven Grenzverkehr zwischen Israel und den Kampfverbänden über den »technischen Zaun« an der »Alpha-Linie«. Mehr als 87mal seien UNDOF-Soldaten zwischen Mai und September 2017 von der israelischen Armee in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt worden. Anfang September waren sogar vier israelische Panzer mit Soldaten innerhalb der Pufferzone unterwegs.

Israel stärkt zudem Gruppen, die international als Terrororganisationen gelistet sind. Das geschieht nach UN-Beobachtungen spätestens seit 2013, als bekannt wurde, dass deren verletzte Söldner in israelischen Krankenhäusern versorgt und nach ihrer Genesung wieder in die Kampfzone zurückgebracht wurden.

Nachdem Israel Medienberichten zufolge bereits ein etwa zehn Kilometer weit auf syrisches Gebiet reichendes Territorium kontrolliert, soll diese »Sicherheitszone« einer Darstellung des Internetportals The Intercept zufolge nun in den Provinzen Quneitra und Daraa im Südwesten Syriens auf 40 Kilometer ausgeweitet werden. Ziel sei, so die Seite Ende Januar, »die syrische Armee und ihre iranischen und libanesischen Verbündeten so weit wie möglich von Israels Grenze entfernt zu halten«.

In einer ersten Phase baue die israelische Armee »mit Hilfsorganisationen und Militär ihren Zugang in die von der Opposition kontrollierten Gebiete aus«, indem sie »humanitäre Hilfe, medizinische Versorgung und Waren« liefere. Israelisches Militär errichte und befestige Stellungen und Verteidigungsanlagen. In der zweiten Phase gehe es um die tiefere Durchdringung der syrischen Bevölkerung und Kampfverbände. Wie es vom Internetportal Syria Deeply schon im vergangenen Juni hieß, war vom israelischen Militär aus der Miliz »Ritter des Golan« eine 500 Mann starke Grenzschutztruppe rekrutiert, bewaffnet, ausgebildet und bezahlt worden. Sie kollaboriert direkt mit den israelischen Streitkräften. Zudem werden demnach auch andere Kampfverbände in Quneitra und Daraa ausgerüstet und finanziert, seit Jordanien seine Militärhilfe an diese Gruppen eingestellt hat.

Parallel dazu werden mit Unterstützung der israelischen Hilfsorganisation Amaliah in den von den aufständischen Milizen kontrollierten Gebieten zivilgesellschaftliche Projekte, Ärzte, Schulen, die Entwicklung der Landwirtschaft und die lokale Administration unterstützt. Hinter Amaliah steht der israelisch-amerikanische Geschäftsmann Mordechai »Moti« Kahana, der seit 2011 die syrische Opposition aktiv unterstützt.


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