Aus: Ausgabe vom 27.01.2018, Seite 8 / Abgeschrieben

»Nie wieder!«

Das Auschwitz-Komitee in der Bundesrepublik Deutschland erklärte am Freitag:

Nein, es ist nicht nur dieser eine Tag im Jahr, dieser 27. Januar, an dem hierzulande an die Opfer des deutschen Faschismus und die Ermordeten in den Konzentrations- und Vernichtungslagern Nazideutschlands erinnert wird. Für die Überlebenden, ihre Familien, ihre Nächsten ist der Schmerz, der Verlust, die Trauer lebenslänglich, über Generationen hinweg. Wer hört ihnen zu, wer nimmt Anteil?

Ja, es gibt viele Menschen hierzulande, die ihre ganze Kraft und Energie gegen das Vergessen der Schoa, der Vernichtung der Jüdinnen und Juden, der Roma und Sinti, der politisch Andersdenkenden einsetzen – eine Lebensaufgabe für viele.

Nein, das Übersehen des Holocaust-Gedenktags ist kein Alleinstellungsmerkmal von Veranstaltern von Bällen, seitdem dieser Tag des Gedenkens durch eine Proklamation des Bundespräsidenten im Jahr 1996 festgelegt wurde und durch die UNO-Proklamation 60/7 vom 1. November 2005 seit 2006 weltweit gilt. Ist dieser Tag aber wirklich im Gedenkkanon verankert? Wer ignoriert ihn, wer ist vielleicht unangenehm berührt?

Wir erinnern uns noch gut an die Skepsis und an das Misstrauen vieler Überlebender bei der Einführung dieses offiziellen Gedenktags, an ihre Sorge vor Ritualisierung und Verflachung. Zugleich wissen wir, dass die Arbeit der Überlebenden keinesfalls vergeblich ist und war: Es gibt sie, die ungezählten Schülergruppen, die aufmerksam ihren Erzählungen zuhören, bei denen Überlebende wie Esther Bejarano sagen: »Ich glaube an euch!« Und es gibt den FC St. Pauli, der am 28. Januar das erste Heimspiel nach der Winterpause mit einer Gedenkminute und einem Grußwort eröffnet. Und die vielen Aktionen und Veranstaltungen von Initiativen, Gewerkschaften, Vereinen, Gedenkinstitutionen, Wochen und gar Monate des Gedenkens. Und in allen ist das »Nie wieder!« das unerschütterliche Versprechen.

Eine der zentralen Erkenntnisse nach dem Holocaust war: Nie wieder zusehen, nie wieder schweigen, wenn Unrecht geschieht! Wegsehen ändert nichts. Wer schweigt, stimmt zu! Durch Gedankenlosigkeit, vielleicht Ignoranz haben die Macher des Presseballs in Hamburg den Holocaust-Gedenktag 2018 übersehen. Da gibt es also noch reichlich zu tun. Was aber tun wir, wir, die Gesellschaft, die Medien, wer empört sich, wenn mit deutschen Waffen und deutschen Panzern jetzt in Syrien Krieg gegen Kurden geführt wird? Wer stoppt die Waffenhändler, wer ächtet die Kriegstreiber?

Im Mai soll in Stuttgart die Rüstungsmesse ITEC stattfinden. Dazu teilte Thomas Haschke von der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen am Freitag mit:

Bei der für Mai geplanten Messe tauschen sich Militärs über die neuesten Entwicklungen bei militärischen Schieß- und Trainingssimulationen aus. Diese von den Rüstungsunternehmen auf der Messe angebotenen Simulationssysteme sollen dann letztlich die Anwendung von Gewalt durch Soldaten effizienter und also echte Krieg ›einfacher‹ machen. Gemeinsam mit weiteren Friedens- und antimilitaristischen Organisationen wie »Ohne Rüstung Leben« und dem »Offenen Treffen gegen Krieg und Militarisierung« plant die DFG-VK in den nächsten Monaten weitere Proteste gegen die Rüstungsmesse.


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