Aus: Ausgabe vom 23.01.2018, Seite 5 / Inland

Telekom-Tochter vor Spaltung

T-Systems soll umorganisiert werden. Bei den Gewerkschaften stößt das auf wenig Gegenliebe

Von Florian Sieber
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Letzter Blick aufs Einheitslogo? Bei T-Systems droht die Spaltung des Unternehmens

Adel Al-Saleh, der neue Chef der Telekom-Großkundenabteilung T-Systems International GmbH, schien keine Zeit verlieren zu wollen. Nur drei Wochen nach seinem Antritt stellte der frischgebackene Geschäftsführer, der explizit für die Umorganisierung des Unternehmens aus London geholt wurde, den Konzern vor vollendete Tatsachen. Erst wurden die Führungskräfte und dann die Belegschaft des Betriebs über seine Pläne orientiert: die Aufsplittung des Konzerns in zwei rechtlich eigenständige Gesellschaften, wobei eine davon für die klassischen IT-Dienstleistung zuständig wäre. In diesem Bereich arbeitet gegenwärtig gut die Hälfte der T-Systems-Beschäftigten. Ebendiese Pläne hat aber am Sonntag die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) in einer Pressemitteilung scharf kritisiert.

Bei der Gewerkschaft wird vor allem befürchtet, dass die Umstrukturierung einen Verkauf der wenig erträglichen IT-Abteilung vorbereiten soll. Der Verdi-Bundesfachgruppenleiter für Informationstechnologie Michael Jäkel erläutert in der Pressemeldung: »Der Plan könnte sein, dass hier eine Art ›Bad Bank‹ gegründet werden soll, in der die schlechten Risiken gebündelt werden sollen. Es ist wahrscheinlich nicht umsonst so, dass alle wachstumsträchtigen Teile, (…) in der anderen GmbH verbleiben sollen.« Ein Verkauf könnte auch in der Auslagerung von Stellen münden. In der jüngeren Vergangenheit wurde im Bereich Informationstechnologie in der Bundesrepublik abgebaut. So hat der IT-Riese HP in den letzten Jahren mehrere tausend Stellen gestrichen oder ins Ausland verschoben. Als größter HP-Standort in Europa wurde Böblingen von Bukarest abgelöst. Die Folge eines Verkaufs wäre, dass T-Systems extern IT-Dienstleistungen zukaufen müsste. Da das Mutterunternehmen teilstaatlich ist und öffentliche Aufträge übernimmt, könnte dies für Probleme sorgen. So erklärte Verdi-Fachgruppenleiter Jäkel gegenüber jW am Montag: »Solche Aufträge könnten dann bei chinesischen Konzernen landen. Ob es wirklich im Interesse der Bundesregierung liegt, dass chinesische IT-Unternehmen Zugang zu ihren Daten haben, kann man bezweifeln.«

Kritik übt Verdi auch an der Art, wie der Entscheid bei T-Systems zustande kam. So wurde die Vertretung der Beschäftigten nicht von der neuen Geschäftsleitung in die Beschlussfindung einbezogen. »Ein Alleingang der T-Systems-Geschäftsführung ohne Einbeziehung der Arbeitnehmervertretungen in die Beratungen ist untragbar und wird so nicht akzeptiert«, heißt es von Jäkel. Auch der Zeitpunkt der Mitteilung irritiert. »Wir stehen kurz vor neuen Tarifverhandlungen – der aktuelle Tarifvertrag läuft noch bis Ende März –, und dann kommt so ein Ding«, so Jäkel gegenüber jW. Die Gewerkschaft hat bereits Proteste gegen die Aufteilungspläne angekündigt. Wie diese genau aussehen werden, wisse man noch nicht, doch laut dem Verdi-Fachgruppenleiter sei es denkbar, dass sie sich auf die anstehenden Lohnverhandlungen auswirken: »Wenn dieser Beschluss nicht zurückgenommen wird, dann kann es gut sein, dass die Beschäftigten die Tarifauseinandersetzung als Ventil für ihren Protest nutzen werden.«


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