Aus: Ausgabe vom 23.01.2018, Seite 3 / Schwerpunkt

Lieber selbst die Waffen bauen

Saudi-Arabien will mit Rüstungsausgaben die heimische Industrie stärken

Von Jörg Kronauer
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Bei der »International Defence Exhibition and Conference« in Abu Dhabi stellten Rüstungskonzerne ihr Material zur Schau (19. Februar 2017)

Saudi-Arabien steuert um. Das Land, das unter den Staaten mit den größten Militärausgaben der Welt regelmäßig den dritten oder vierten Rang einnimmt, wird nach dem Willen seiner Regierung sein Kriegsgerät künftig selbst produzieren. Dazu hat der saudische Staatsfonds PIF (Public Investment Fund) im Mai 2017 den Konzern Saudi Arabian Military Industries (SAMI) gegründet. SAMI soll, so will es Riad, zu einem der 25 größten Rüstungskonzerne weltweit aufsteigen. Schon 2020 soll das Unternehmen mit 5.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 200 Millionen Euro erzielen. Dann fließen die saudischen Rüstungsausgaben nicht mehr in US-amerikanische und deutsche, sondern in saudische Kassen.

Die Türkei verfolgt ein ähnliches Konzept. Sie verfügt zwar längst über eine ansehnliche Rüstungsindustrie, will diese jedoch systematisch ausbauen, um unabhängig von äußerem Einfluss zu werden. Vor allem will sie einen eigenen Kampfpanzer bauen, den »Altay«, der weitgehend in der Türkei entwickelt wurde und nun in Masse produziert werden soll. Er wird die amerikanischen M60 und die deutschen Leopard-Panzer, mit denen das türkische Heer heute operiert, ersetzen.

Im Falle Saudi-Arabiens ist es Rheinmetall nicht nur gelungen, über eine von Rheinmetall Denel Munition errichtete Munitionsfabrik Fuß zu fassen. Die Firma kann auch daran anknüpfen, dass ihr Vorstand Andreas Schwer den Chefposten beim neuen saudischen Rüstungskonzern SAMI erhält. Das wird sich für das Düsseldorfer Unternehmen noch bezahlt machen. Schwer hat zuvor wohl auch das Problem mit der Türkei gelöst: Er hat führend daran mitgewirkt, den türkischen Ableger Rheinmetall BMC Defence Industry (RBSS) zu gründen, ein Joint Venture, dem neben dem Unternehmen Etika Strategi aus Malaysia vor allem der türkische Fahrzeugbauer BMC angehört. Weil BMC-Boss Ethem Sancak zum engeren Umfeld von Staatschef Recep Tayyip Erdoğan zählt, wird Rheinmetall über RBSS wohl am neuen türkischen Kampfpanzer mitbauen. Und weil BMC finanziell zu fast 50 Prozent vom Industriekomitee der Streitkräfte Katars getragen wird, winken weitere Aufträge aus dem Golf-Emirat. Den Ärger, den es wegen der deutschen Exportvorschriften gab, als Katar Leopard 2-Kampfpanzer bestellte, wird es bei künftigen Altay-Käufen in der Türkei kaum geben: Rheinmetall hat also gleich zwei Probleme gelöst.


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