Aus: Ausgabe vom 23.01.2018, Seite 2 / Ausland

Kurden melden Erfolge

Türkische Invasion auf Afrin gestoppt. Erdogan: Russische Rückendeckung

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Im Norden Syriens haben die kurdischen Volksverteidigungskräfte (YPG) nach eigenen Angaben die Offensive der türkischen Armee zurückgeschlagen. Die kurdische Nachrichtenagentur ANF meldete am späten Sonntag abend unter Berufung auf die Generalkommandantur der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDK), dass Ankaras Truppen und die mit diesen verbündeten Milizen aus allen Brückenköpfen in der Region Afrin vertrieben worden seien. Am Montag erklärten die SDK, dass durch die türkischen Luftangriffe auf Afrin und Umgebung seit Samstag 18 Zivilisten getötet worden seien, unter ihnen auch mehrere Kinder. Auf Seiten der Verteidiger seien drei Kämpfer gestorben, während die Angreifer 40 getötete Soldaten und Milizionäre zu verzeichnen hätten.

Dessen ungeachtet will Ankara die Offensive in Nordsyrien weiter vorantreiben. Er habe die Rückendeckung Russlands für den Militäreinsatz, sagte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan am Montag in Ankara. Die türkische Armee werde die Provinz Afrin ebenso unter ihre Kontrolle bringen wie zuvor schon Dscharabulus, Al-Rai und Al-Bab.

In Moskau vermied der russische Regierungssprecher Dmitri Peskow auch auf Nachfrage von Journalisten ein Dementi dieser Darstellung. Man verfolge das Fortschreiten der Operation genau und stehe in Kontakt mit der syrischen wie mit der türkischen Regierung, erklärte Peskow. Die Bewahrung der territorialen Integrität Syriens bleibe das grundlegende Prinzip der russischen Politik.

US-Außenminister Rex Tillerson zeigte sich besorgt über die Lage und rief beide Seiten zur Zurückhaltung auf, vermied aber ebenso wie die deutsche Bundesregierung direkte Kritik an Ankara. Berlin wollte sich zudem nicht zu Berichten über den Einsatz deutscher Panzer vom Typ »Leopard 2« durch die türkische Armee äußern. Entsprechende Fotos waren unter anderem von der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu verbreitet worden. Erst vor zwei Wochen hatte Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) der ARD über eine von Ankara gewünschte Aufrüstung der deutschen Panzer in den türkischen Streitkräften mit einem Minenschutz gesagt, er sehe »keine richtige Argumentation«, warum man dem NATO-Partner Türkei eine solche Aufrüstung verweigern sollte. (dpa/ANF/TASS/Reuters/jW)


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