Aus: Ausgabe vom 20.01.2018, Seite 8 / Ansichten

Fake News des Tages: faz.net

Von Sebastian Carlens
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Damals, als das Internet noch neu war, konnte die Begeisterung nicht groß genug ausfallen. Jetzt aber, so sagen deutsche Medien, haben sich Russen und finstere Mächte des Netzes bemächtigt. Sie sollen Donald Trump an die Macht gebracht und die AfD erfunden haben – mit Fake News. Auf diese bequeme Mär haben sich zumindest die US-Demokraten und unsere große Koalition geeinigt.

Anderswo ist das anders: In der VR China. Dort haben religiöse Hetzer, ethnische Separatisten oder irgendwelche Gurutypen einen schweren Stand, denn ihre Webseiten werden geblockt. Zero Tolerance für rassistische und antikommunistische Fake News, könnte man sagen. Und das ist auch gut so. Fundamentalistischem Terrorismus, gleich welcher Couleur, wird der Boden entzogen; Menschen aller Religionen und Ethnien leben in dem riesigen Land friedlich zusammen; der Hass wird im Netz schon erstickt, bevor er sich physisch austoben kann.

Das passt natürlich der FAZ überhaupt nicht – wie alles, was China macht. Den letzten Schock vermeldet faz.net am Freitag: Die Volksrepublik will ungenehmigte sogenannte VPN-Tunnel lahmlegen, mit denen sich eben auch die gesperrten Seiten finden ließen. Westliche Konzerne sollen ihre diesbezüglichen Einrichtungen gar genehmigen lassen! »In den deutschen Unternehmen herrscht eine gewisse Unruhe.«

Schon einen Tag vorher hatte das Blatt getrommelt: »Ein Leben in Chinas Smog ohne Internet«, das sei für westliche »Expats«, also entsandte Experten, nicht zu verkraften. Dann bleibe ja nur die »Fremde im Pekinger Betondschungel«. Ohne Fake News! Unvorstellbar!

Gehen sie jetzt, ist dies das Ende des China-Geschäftes? Natürlich nicht. Vom Kapital Profitverzicht verlangen ist so sinnig, wie dem Säufer Mäßigung zu predigen. Also irgendwie auch Fake News.

Ist faz.net eigentlich schon geblockt? Wenn nicht, dann ist es Zeit.


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