Aus: Ausgabe vom 13.01.2018, Seite 3 (Beilage) / Wochenendbeilage

Der umzingelte Trump

Arnold Schölzel

Von Arnold Schölzel

Am Donnerstag veröffentlichte Die Zeit ein Interview mit dem US-Journalisten Michael Wolff, dem Autor des Buches »Fire and ­Fury – Feuer und Wut«, dessen Erscheinen US-Präsident Donald Trump zu verhindern versuchte. Wolff hatte Gelegenheit, Trump seit Mai 2016 zu begleiten. Nach dem überraschenden Sieg am 8. November 2016 war er weiter als Beobachter im Übergangsteam des »president elect« dabei und lungerte – wie er schildert – nach der Amtseinführung Trumps am 20. Januar 2017 nicht nur wie vereinbart 100 Tage im Westflügel des Weißen Hauses, der Machtzentrale der USA, als Beobachter herum, sondern darüber hinaus bis in den Sommer des vergangenen Jahres, bis kurz vor der Ablösung des rechten Ideologen Stephen Bannon als Chefberater des neuen US-Präsidenten im August.

Der Inhalt des flott geschriebenen Buches besteht u. a. aus dem Klatsch und Tratsch, der in den westlichen Mainstreammedien in der vergangenen Woche ausgiebig zitiert wurde, vor allem aber aus Anekdoten, die einen Einblick in die Beziehungen zwischen Mächtigen des US-Establishments geben. Es handelt sich nicht um eine Analyse der Macht, die Personalisierung erlaubt aber Einblicke in die Denkweise wichtiger Figuren. Das Fazit von Wolffs Buch steht in der Schlagzeile des Zeit-Interviews: »Die Mitarbeiter versuchen, Trump zu kontrollieren, obwohl sie wissen, dass sie ihn nicht kontrollieren können.«

Der US-Präsident ist also »umstellt«. Allerdings laut Wolff weniger vom »tiefen Staat«, also einer mehr oder weniger geheimen Seilschaft aus Militärs, Geheimdienstlern und anderen Teilen des Washingtoner Establishments, denen egal ist, wer unter ihnen Präsident ist, als vielmehr von ihm ergebenen Leuten.

Wolff sagt nun den Zeit-Interviewern auf deren Anmerkung, in seinem Buch komme »sehr wenig Politik vor …«: »… einfach und allein aus dem Grund, weil ich glaube, dass Trump an Politik nicht interessiert ist«. Das begründet plausibel.

So schildert er, dass niemand im Trump-Wahlkampfteam, auch nicht der Kandidat, einen Wahlsieg für möglich hielt – es soll am Abend des 8. November 2016 sogar Entsetzen und Tränen gegeben haben. Ziel war demnach im Grunde: Nach einer Niederlage gegen die »­crooked – krumme«, also betrügerische Hillary Clinton eine weltweite Fernsehkarriere und entsprechende Geschäfte zu starten. Allerdings habe Trump, nachdem er sich gefasst hatte, selbstverständlich das Gegenteil behauptet und sich zum größten Wahlkämpfer aller Zeiten erklärt. Trump, der im TV-Geschäft u. a. als Unterstützer des ­Fake-Sports »Wrestling« groß herausgekommen war und den dort zum Schein und zum Gaudium von Millionen Fans aufeinander herumtrampelnden Muskelkolossen Hochachtung zollt, begreift sich als Teil solchen Milieus. Wolff weist in seinem Buch darauf hin, dass alle Familienmitglieder, die der Clanchef mit ins Weiße Haus nahm, wie er selbst im Immobilienhandel tätig waren und sind, d. h. in einer Branche, die in einer Grauzone zur organisierten Kriminalität angesiedelt ist.

Dort gelten nur die als wichtig, die etwas zu entscheiden haben. Am 14. Dezember 2016 traf sich der gewählte Präsident in New York mit einer Delegation der Chefs von US-Internetkonzernen, die Trump während seiner Kampagne wiederholt angegriffen hatte. Nach der Begegnung habe er den Medienmogul Rupert Murdoch angerufen und ihm vorgeschwärmt, alle seine Gesprächspartner wollten ihn unterstützen, nachdem sein Amtsvorgänger Obama sie nicht gut behandelt habe. Murdoch: »Donald, acht Jahre lang hatten diese Kerle Obama in ihrer Tasche. Sie haben praktisch die Administration geführt.«

Auch wenn es sich so nicht zugetragen haben sollte: Es entspricht der Realität. Trump hat sich mit Leuten umstellt, von denen er weiß, dass sie tatsächlich herrschen. Wie bei Milliardärs üblich.

Trump hat sich mit Leuten umstellt, von denen er weiß, dass sie tatsächlich herrschen. Wie bei Milliardärs üblich.


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