Aus: Ausgabe vom 13.01.2018, Seite 10 / Feuilleton

Tanzt, Leute!

Widerstandsmusik zum Mitschlenkern von Maurice Summen

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Bildet sozialistische Tanzfamilien, wie es schon Sly Stone tat! (Aus dem Booklet von »Bmerica« von Maurice Summen)

Ein anregendes, aber leider fast komplett untergegangenes Album des vergangenen Jahres ist »Bmerica« von Maurice Summen und seiner »Familie«. Es geht um sozialistische Kollektivität gegen Entfremdung und Ausbeutung, ohne dass dies direkt formuliert, dafür aber locker herbeigeschlenkert wird. Summen, Sänger von Die Türen und Chef des Indielabels Staatsakt, spielt linke Partyhits (gelingt hierzulande den wenigsten) mit Funk und Groove (gelingt den allerwenigsten).

»Zeichen des Widerstands / sind wichtiger als alles, / was wir uns kaufen können, / so naiv wie das klingt«, singt er. »Und das geht raus an alle Nerds und Programmierer dieser Welt: / Euch gehört die Zukunft, / aber denkt daran – / Code is law, aber Programmieren ohne Gewissen ist Kot, also scheiße«. Stimmt doch, oder?!

Die Musik stimmt auf jeden Fall. Summens »Familie« orientiert sich an den großen Gruppen von Sly Stone und George Clinton, mit viel Soul, Synthie, Autotune, Kongas, Bläsern und originellen Texten. Hier einer über die Manien der einsamen Individualisten (oder ist es das Elend des linken Parlamentarismus?): »Bock hat man keinen, aber egal … / ich würd’ ja, wenn ich könnte, / doch ich kann nicht, weil ich nicht will, / ich wollt’ ja, aber dann durfte ich nicht, / jetzt kann ich, aber hey …« Vermutlich der Grund für die »vielen traurigen Gesichter um mich herum«. Tanzt, Leute, denn wer sich nicht bewegt, spürt seine Fesseln nicht! So geht der Realitätscheck frei nach Rosa Luxemburg. (cm)

Maurice & die Familie Summen: »Bmerica« (Staatsakt/Universal)


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