Aus: Ausgabe vom 12.01.2018, Seite 4 / Inland

Wieder 11.000 Hektar verkauft

Treuhand-Nachfolgerin BVVG: Überschuss aus Privatisierung ehemaligen DDR-Volkseigentums 2017 bei 254 Millionen Euro

Von Jana Frielinghaus
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Begehrtes Anlageobjekt: Felder im ostbrandenburgischen Landkreis Märkisch-Oderland

Auch 2017 hat die bundeseigene Bodenverwertungs- und Verwaltungsgesellschaft (BVVG) einen erklecklichen Überschuss aus der Privatisierung ehemals volkseigener Agrarflächen der DDR erwirtschaftet. 254 Millionen Euro konnte sie nach Abzug aller Kosten an den Bund abführen, 96 Millionen Euro weniger als im Vorjahr.

Die Gelder kommen nicht nur aus dem Verkauf von Ackerland und Wald, sondern auch aus Pachteinnahmen. Denn mehr als 125.000 Hektar standen am 31. Dezember immer noch unter der Verwaltung der Nachfolgegesellschaft der berüchtigten Treuhandanstalt. Im Schnitt mussten die Landwirtschaftsbetriebe, die die Flächen bewirtschaften, pro Hektar im vergangenen Jahr 424 Euro Zins entrichten. Das entspricht einem Anstieg um 3,6 Prozent gegenüber 2016.

Verkauft wurden im vergangenen Jahr 9.700 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche und 1.800 Hektar Wald. Im Vorjahr waren es 10.400 und 2.700 Hektar gewesen. Der Rückgang hat auch mit der durch Bund und Länder inzwischen festgesetzten Obergrenze bei den zu privatisierenden Flächen zu tun. Sie beträgt seit 2016 rund 10.000 Hektar. Pro Hektar Acker verlangte die BVVG im Schnitt 19.500 Euro. In den letzten 15 Jahren sind die Kaufpreise für Ackerland exorbitant gestiegen. 2010 lag der Durchschnittsbetrag je Hektar für BVVG-Flächen noch bei gut 10.000, fünf Jahre zuvor noch bei etwa 5.000 Euro. Kritiker werfen dem Bund vor, sich an der Preistreiberei auf dem Agrarflächenmarkt zu beteiligen, zumal die BVVG einer der bedeutendsten Akteure in diesem Bereich ist. Diese räumte ein, der Verkaufspreis für ihre Flächen habe im vergangenen Jahr erneut über dem Durchschnitt der in Ostdeutschland auf dem freien Markt erzielten Summen gelegen.

Für 2018 erwartet die Gesellschaft unterdessen ein weiteres Absinken des Überschusses auf 226 Millionen Euro. Seit 1992 hat sie mehr als 1,5 Millionen Hektar Felder und Wälder unter die Leute gebracht, davon waren 860.000 Hektar Ackerland. Hatten zunächst längere Zeit LPG-Nachfolgeunternehmen und Familienbetriebe ein Vorkaufsrecht zu etwas unter dem Verkehrswert liegenden Preisen, so kamen in den letzten Jahren verstärkt sogenannte Alteigentümer zum Zuge, die ein bestimmtes Flächenkontingent zum Schnäppchenpreis erwerben dürfen. Sie müssen pro Hektar nur um die 4.000 Euro bezahlen – und dürfen das Land bereits nach kurzer Wartefrist mit saftigem Gewinn weiterverkaufen.


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