Aus: Ausgabe vom 09.01.2018, Seite 1 / Inland

Aktiengewinne als Terrormotiv

Prozess um Anschlag auf BVB-Bus: Angeklagter bestreitet Tötungsabsicht

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Die Bomben, mit denen im April 2017 der Anschlag auf die Mannschaft von Borussia Dortmund verübt wurde, waren nach Ansicht eines Ermittlers des Bundeskriminalamts eine tödliche Gefahr. Im Prozess vor dem Dortmunder Schwurgericht sagte der Zeuge am Montag, ein Gutachter habe errechnet, dass tödliche Verletzungen ab einer Aufprallenergie von 79 Joule zu erwarten gewesen seien. Tatsächlich sei jeder einzelne der mehr als 100 Stahlbolzen aus den Sprengsätzen mit einer Energie von 135 Joule auf sein Ziel geprallt.

Bei dem Anschlag am 11. April waren insgesamt drei Splitterbomben gezündet worden, als der Mannschaftsbus des BVB gerade am Teamhotel zum Champions-League-Spiel gegen AS Monaco abfuhr.

Dabei waren der Teambus des BVB beschädigt und Abwehrspieler Marc Bartra - wahrscheinlich durch einen der Bolzen – am Arm schwer verletzt worden. Ein Polizist hatte ein Knalltrauma erlitten. In der Anklage heißt es: »Die fernzündbaren Sprengsätze sollen jeweils mit (…) einer Wasserstoffperoxid-Brennstoff-Mischung sowie mindestens 65 in Epoxidharz eingeschlossenen Metallbolzen mit einem Durchmesser von 6 Millimeter und einer Länge von 74 Millimeter (…) bestückt gewesen sein.« Zu Beginn des zweiten Verhandlungstages hatte der Angeklagte Sergej W. gestanden, die Sprengladungen deponiert zu haben. Er bestritt allerdings jede Tötungsabsicht. Er habe einen Anschlag vortäuschen wollen und die Sprengsätze mit Absicht so konzipiert, dass Personenschäden nicht zu erwarten gewesen seien, sagte der 28jährige. Er hatte mit Optionsscheinen im Wert von 26.000 Euro auf einen fallenden Kurs der BVB-Aktie gewettet. Nach Angaben des Anwalts von W., Carl Heydenreich, wollte sein Mandant zu diesem Zweck lediglich ein Drohszenario schaffen. »Ich bedauere mein Verhalten zutiefst«, betonte W. und unterstrich: »Ich wollte niemanden verletzen oder schwer verletzen und erst recht niemanden töten.« Die Staatsanwaltschaft hat ihn unter anderem wegen 28fachen versuchten Mordes angeklagt. Laut Anklage hätte er damit rund eine halbe Million Euro Gewinn erzielen können. (sid/dpa/jW)


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