Aus: Ausgabe vom 08.01.2018, Seite 1 / Ausland

Grenze geschlossen

Venezuela kappt Verbindungen nach Curaçao, Aruba und Bonaire. Portugals Außenminister in Caracas

Von André Scheer
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Ein Polizist bewacht am Samstag in Caracas einen Lebensmittelladen, vor dem sich eine lange Schlange gebildet hat

Venezuela hat am Wochenende vorübergehend alle Schiffsverkehrs- und Flugverbindungen mit den Karibikinseln Curaçao, Aruba und Bonaire unterbrochen. Wie Staatschef Nicolás Maduro am Freitag (Ortszeit) mitteilte, sollte die Sperrung der Häfen und regionalen Airports 72 Stunden andauern, um den Schmuggel zwischen der Bolivarischen Republik und den drei niederländischen Kolonien zu unterbinden. »Sie verschieben Gold, Coltan, Diamanten und Lebensmittel«, beklagte Venezuelas Präsident während einer vom staatlichen Fernsehen übertragenen Kabinettssitzung. Durch die Sperrung wolle man Zeit gewinnen, um die Verteidigung der ökonomischen Interessen des Landes neu zu strukturieren. Außerdem solle Druck auf die Behörden der drei Inseln ausgeübt werden, damit diese eigene Maßnahmen gegen den Schwarzhandel ergreifen. Er habe Vizepräsident Tareck El Aissami und Außenminister Jorge Arreaza beauftragt, Gespräche mit den dortigen Vertretern aufzunehmen, um Mechanismen für einen »gesunden Handel und Austausch« zu entwickeln.

Am Sonnabend kamen in Willemstad Curaçaos Regierungschef Eugene Rhuggenaath und Venezuelas Generalkonsulin Marisol Gutierrez de Almeida zu einem »dringenden Treffen« zusammen, um die entstandene Lage zu beraten. Wie das Internetportal Noticias Curazao berichtete, kritisierte Rhuggenaath dabei die Grenzschließung als »nicht hilfreich«. Natürlich müssten die illegalen Aktivitäten beendet werden, räumte er ein. Dabei würden Curaçao und »die anderen Länder des Königreichs der Niederlande« mit Venezuela kooperieren.

Am Sonnabend traf zudem Portugals Außenminister Augusto Santos Silva in Caracas ein, um mit der venezolanischen Regierung die bilateralen Beziehungen zu diskutieren. Maduro hatte im Dezember Portugal dafür verantwortlich gemacht, dass Caracas nicht, wie versprochen, zu den Feiertagen allen Haushalten vergünstigten Schinken anbieten konnte, und von einer »internationalen Sabotage« gesprochen. Lissabon hatte die Vorwürfe zurückgewiesen.


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