Aus: Ausgabe vom 06.01.2018, Seite 6 / Ausland

FARC kritisiert Vertragsbruch

Vertreter der ehemaligen Guerilla und Kolumbiens Präsident Santos berieten über Friedensprozess

Von Santiago Baez
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Die zwischen Regierung und FARC vereinbarte Sonderjustiz galt als »Herz des Friedens«. Die Rechtsparteien setzten im Parlament aber Änderungen durch, die dem Abkommen widersprechen

In Cartagena sind am Donnerstag (Ortszeit) der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos und Vertreter der ehemaligen FARC-Guerilla zusammengekommen, um nach einem Jahr die Umsetzung des Friedensvertrages zwischen beiden Seiten auszuwerten. An der Beratung nahmen auch der frühere Präsident Uruguays, José »Pepe« Mujica, sowie der ehemalige spanische Regierungschef Felipe González teil. »Wenn dieser Prozess scheitert, scheitert die Geschichte Lateinamerikas«, warnte Mujica nach der Sitzung. Er rief die Bürger Kolumbiens auf, den »Sprung ins Wasser« des Friedens zu wagen, denn die Vergangenheit könne niemals ungeschehen gemacht werden. Es gehe darum, die Zukunft zu sichern.

Santos zog eine positive Bilanz des Prozesses. Bislang seien erst acht Prozent des für die Umsetzung des Abkommens vorgesehenen Zeitraums verstrichen, sagte er. »Die Erfolge sind offenkundig: Wir haben einen mehr als ein halbes Jahrhundert andauernden Konflikt beendet, wir haben die institutionellen und normativen Grundlagen gelegt, und wir schreiten beim Aufbau des Friedens entschlossen voran.«

Die Vertreter der FARC kritisierten dagegen die Nichteinhaltung des Abkommens. So sei der Charakter der in dem Abkommen vorgesehenen Sonderjustiz zur Aufarbeitung des Krieges im Parlament so sehr verändert worden, dass sie nicht mehr den Vereinbarungen entspreche. Zudem säßen noch immer 600 Mitglieder der FARC in Haft, obwohl ihre Freilassung ebenfalls vereinbart worden war. Besorgniserregend sei zudem, dass in den vergangenen zwölf Monaten 30 ehemalige Guerilleros, elf ihrer Familienangehörigen sowie mehr als 150 Basisaktivisten ermordet wurden.


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