Aus: Ausgabe vom 30.12.2017, Seite 2 / Ausland

Trump attackiert Beijing

China weist US-Vorwürfe zurück, Sanktionen gegen Nordkorea zu umgehen

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Drohgebärden gegen China: Donald Trump will in Handelsfragen in Konfrontation mit Beijing gehen

Die chinesische Regierung hat Vorwürfe von US-Präsident Donald Trump zurückgewiesen, nach denen das Land UN-Sanktionen gegen die Demokratische Volksrepublik Korea (DVRK) durch Lieferungen von Erdöl umgangen haben soll. Nach einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua erklärte eine Sprecherin des Außenministeriums in Beijing am Freitag, die Anschuldigungen »stimmen nicht mit den Fakten überein«. China halte sich »umfassend und in ausgewogener Weise« an die verhängten Sanktionen gegen die DVRK. Man werde zudem untersuchen, ob es zu Verstößen gekommen ist.

Zuvor hatte Trump im Internet behauptet, China sei »auf frischer Tat ertappt« worden. Er bezog sich offensichtlich auf Satellitenaufnahmen und Berichte, wonach chinesische Schiffe unter Umgehung der Sanktionen auf hoher See Öl auf Frachter der DVRK verladen haben sollen. Der US-Präsident forderte China auf, mehr zur Lösung der Krise um das Atomwaffen- und Raketenprogramm Pjöngjangs zu tun. Er drohte Beijing in einem Interview der New York Times mit einer Konfrontation in Handelsfragen: »Wenn sie uns mit Nordkorea nicht helfen, dann werde ich tun, was ich immer schon gesagt habe«.

Seit Oktober sollen nach einem Bericht der südkoreanischen Zeitung Chosun Ilbo chinesische Schiffe in rund 30 Fällen auf hoher See Erdöl auf Schiffe aus der DVRK verladen haben. Die Zeitung berief sich auf Regierungskreise in Seoul und Satellitenbilder. Der UN-Sicherheitsrat hatte im September als Reaktion auf den bisher stärksten Atomtest Pjöngjangs eine Resolution verabschiedet, die den Handel mit Nordkorea von Schiff zu Schiff verbietet.

Unter dem Vorwurf, im Oktober heimlich 600 Tonnen Mineralölprodukte auf ein Schiff aus Nordkorea umgeladen zu haben, hält Südkorea gegenwärtig sogar ein unter der Flagge Hongkongs fahrendes Schiff fest. Die »Lighthouse Winmore« sei beschlagnahmt und inspiziert worden, als sie am 24. November erneut den Hafen von Yeosu in Südkorea angefahren habe, bestätigte das Außenministerium in Seoul. Das Schiff war nach südkoreanischen Berichten von der taiwanesischen Firma Billions Bunker Group gechartert worden. (dpa/Xinhua/jW)


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