Aus: Ausgabe vom 28.12.2017, Seite 8 / Ansichten

Reviermarkierer des Tages: Donald J. Trump

Von Michael Merz
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Der Trump-Tower in Chicago

Donald Trumps Territorialverhalten ist pathologisch. Um sein Revier zu markieren, setzt er keine Duftmarken – die sind schließlich vergänglich –, sondern seinen goldig schimmernden Namenszug an Gebäude. Davon gab und gibt es jede Menge, nicht nur das bekannte Hochhaus in New York. Zahlreiche Golfklubs oder Hotelresorts hat seine »Organization« in aller Welt in die Landschaft gepflanzt. Andere Immobilien wie das Kasino in Atlantic City stehen zwar noch, sind aber längst runtergewirtschaftet und rotten vor sich hin. Da möchte der jetzige Mister President lieber nicht dran erinnert werden.

Nun bringt man Donald Trump nicht unbedingt mit dem öffentlichen Nahverkehr in Verbindung. Es kann sogar als ausgeschlossen gelten, dass er sich jemals mit dem gemeinen Pöbel in einen Zug gestellt hat. Trotzdem will Israels Transportminister Israel Katz dem Milliardär »für seine mutige und historische Entscheidung, Jerusalem als Hauptstadt des Staates Israel anzuerkennen«, danken. Es ist nicht das erste Mal, dass Katz mit unterwürfigen Gesten buckelt. Im Oktober hatte der Minister bereits eine riesige Tunnelbohrmaschine in Tel Aviv nach der UN-Botschafterin der USA, Nimrata »Nikki« Haley, benannt. Katz’ neuester Streich: Ein Bahnhof in der Jerusalemer Altstadt unweit der vom US-Präsidenten im Frühjahr beglückten Klagemauer soll den Namen »Donald John Trump« tragen. Ob Israel Katz sich mit diesem Bauprojekt allerdings einen Gefallen getan hat, ist fraglich. Trump möchte sicher einen Bahnhof haben, der ganz im Versailles-Stil hochgezogen wird und noch dazu aus purem Gold besteht. Vielleicht lässt Trump auch selbst noch was springen, schließlich hat er gerade 285 Millionen Dollar gespart. Um diesen Betrag wurde das UNO-Budget der USA gekürzt. Mit der Begründung, die Vereinten Nationen seien »ineffizient» und »verschwenderisch«.


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