Aus: Ausgabe vom 28.12.2017, Seite 3 / Schwerpunkt

Fall eines Vorbilds

Ausländische Institutionen erkennen Suu Kyi einst verliehene Preise ab

Von Thomas Berger
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Protest gegen westliche Ikone: Demonstration vor der Botschaft von Myanmar in der indonesischen Hauptstadt Jakarta (8.9.2017)

Auch im Westen galt Aung San Suu Kyi, in der Heimat hingebungsvoll verehrt, lange Zeit als eine Ikone der myanmarischen Demokratiebewegung. Ihr wurde für ihre Standhaftigkeit gegen die Militärdiktatur höchster Respekt gezollt. Der ihr verliehene Friedensnobelpreis war Ausdruck dafür. Auch zahlreiche andere Auszeichnungen würdigten, dass sie für ihre Überzeugung mehr als 15 Jahre unter Hausarrest stand.

Durch ihr Verhalten in der Rohingya-Krise hat sie aber viele Unterstützer verloren. Zuletzt verteidigte sie sich beim Besuch von US-Außenminister Rex Tillerson im November mit vorsichtigen Äußerungen und bat darum, den aus ihrer Sicht ethnisch-religiösen Konflikt in ihrer Heimat nicht weiter anzuheizen. Vielmehr wolle sie zum Miteinander der Volksgruppen beitragen. Viele werfen ihr deswegen Versagen vor. Manche sprechen sogar davon, dass sie die im Land verbreitete Islamophobie bediene.

Anfang Dezember hat der Stadtrat von Oxford ihr den Freiheitspreis aberkannt, den sie im Jahre 2012 verliehen bekommen hatte. Man könne es nicht hinnehmen, Personen zu ehren, »die ihre Augen vor Gewalt verschließen«, hieß es zur Begründung. Zuvor hatten schon die Städte Glasgow und Sheffield ihre dereinst an sie verliehenen Preise zurückgenommen.

An der Universität von Oxford, wo Aung San Suu Kyi 1967 ihren Abschluss gemacht hatte, wurde ein Bild von ihr in einem Gemeinschaftsraum abgenommen. Außerdem zog Unison, eine der größten britischen Gewerkschaften, einen an sie verliehenen Preis zurück. Am 14. Dezember votierte der Stadtrat Dublins mit großer Mehrheit dafür, ihr den städtischen Freiheitspreis abzuerkennen – der Musiker Bob Geldof wollte nicht in einer Reihe mit Suu Kyi stehen und hatte seinen eigenen Freiheitspreis deswegen aus Protest bereits zurückgegeben.

Abgekühlt hat sich auch das Verhältnis zu anderen Staaten. EU und USA waren zuletzt zwar bemüht, mit ihren Entscheidungen, Kooperationen einzufrieren, mehr das Militär als Suu Kyi zu treffen. Damit sollte die zivile Regierung gegenüber der Armeeführung gestärkt werden. Nicht nur in den Vereinigten Staaten wird aber auch offen über erneute Sanktionen diskutiert. Dies hat in den vergangenen Wochen dazu geführt, dass sich Myanmar wieder mehr der traditionellen Schutzmacht China zuwendet.


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