Aus: Ausgabe vom 18.12.2017, Seite 14 / Feuilleton

Nachschlag: Diesmal echt

Mikrokosmos | Fr., 19.10 Uhr, DLF

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Lieber Revolution als Krieg: Künstlerisches Reenactment des Roten Oktober (der »anachronistische Zug« am 5.11.2017 auf dem Berliner Gendarmenmarkt)

Reenactment ist eine experimentelle Forschungsmethode, für immer mehr Menschen aber auch ein Hobby und besteht darin, die Vergangenheit nachzustellen, bevorzugt geschichtliche Ereignisse wie etwa die Völkerschlacht von Leipzig. Philipp Schnee hat sich für »Krieg spielen« vor die Tore der Sachsenmetropole begeben und als preußische, französische, rheinische Soldaten oder Offiziere oder auch einfaches Personal verkleidete Anhänger dieses Zeitvertreibs getroffen. Sie erzählen vom Schauer, wenn die schwere Kavallerie auftaucht, oder dem Erkenntnisgewinn in der Rolle einer Dienstmagd. Der Historiker Wolfgang Hochbruck erklärt diese Leidenschaft. Er hat sie selbst in den USA kennengelernt. Noch heute unterrichtet er in einer Unionisten-Uniform in Schulen, wie deutsche 48er-Flüchtlinge den Nordstaaten im Bürgerkrieg zum Sieg verhalfen. Ja, warum nicht die Revolution wiederaufleben lassen? Zur Einstimmung: Der Deutschlandfunk bringt als Hörspiel in drei Teilen Alfred Döblins »November 1918«. (jt)


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