Aus: Ausgabe vom 16.12.2017, Seite 4 / Inland

»Wir machen alles richtig«

Am Donnerstag sollte der Internetjournalist Ken Jebsen einen Medienpreis erhalten. Er nahm ihn nicht entgegen

Von Christiane Hoffmann
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Treuer Fan. Ein Jebsen-Anhänger auf dem Rosa-Luxemburg-Platz

Der Hausherr hatte sich an diesem Abend keine Freunde gemacht. Denn er verriet, was er von dem Mann hält, den zu ehren am Donnerstag etwa 200 Menschen im städtisch finanzierten Kino Babylon in Berlin zusammengekommen waren. »Herr Jebsen, Sie haben fast alle Tabus zum Holocaust gebrochen!«, sagte der Babylon-Geschäftsführer Timothy Grossmann. Das Publikum protestierte lautstark.

Der Internetblog Neue Rheinische Zeitung (NRhZ) hatte entschieden, dem »alternativen Journalisten« Ken Jebsen einen Medienpreis für sein »aufklärerisches« Wirken zu verleihen. Doch der Preisträger erschien nicht. Das focht die Veranstalter und Laudatoren indes nicht an. Die Preisverleihung fand statt, und die Redner machten deutlich, welche Positionen in diesem Milieu vertreten werden, das Jebsen zu den seinen zählt.

Im Mittelpunkt der Ausführungen stand auch Berlins Kultursenator Klaus Lederer und die Berichterstattung der Presse. Lederer hatte die Veranstaltung von NRhZ via Facebook kritisiert, den Veranstaltern waren daraufhin die Kinoräume gekündigt worden, doch ein Gericht entschied, dass die Preisverleihung stattfinden könne.

Evelyn Hecht-Galinski, Tochter des 1992 verstorbenen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Heinz Galinski, forderte den Kultursenator zum Rücktritt auf und fragte: »Werden wir demnächst Bücherverbrennungen erleben und die totale Israelisierung?« Gegenwärtig lebe man »in einer Zeit, wo sich Kriege und Flüchtlinge weltweit vermehren«. Der Sänger einer Band mit dem Namen »Die Bandbreite« wiederum warf in diesem Zusammenhang die Frage in den Raum: »Sind wir vielleicht schon im neuen Faschismus?«

Ein weiterer Redner nahm sich die Berichterstattung der Presse über Jebsen vor und bezeichnete bei der Gelegenheit junge Welt als »ganz neue Dreckschleuder«. Klaus Hartmann, Vorsitzender des Deutschen Freidenker-Verbandes konnte dem Trubel auch Positives abgewinnen: »Wir können Lederer dafür danken, dass er dieser Veranstaltung eine sonst nicht zu bezahlende Publicity verschafft hat«.

Die der sogenannten Truther-Szene angehörenden Buchautoren Daniele Ganser und Matthias Bröckers ließen per Videobotschaft grüßen und verbreiteten ihre in diesem Milieu sehr geschätzte alternative Sicht auf die Ereignisse vom 11.9.2001.

Bereits vor der Preisverleihung hatte auf dem Rosa-Luxemburg-Platz vor dem »Babylon« eine Kundgebung mit etwa 350 Teilnehmern stattgefunden. Bei dieser Gelegenheit sprach auch die Betreiberin der NRhZ-Seite, Anneliese Fikentscher, und war über die Gegner der Veranstaltung erzürnt. Sie hielt dem »Verschwörungstheoretiker«-Vorwurf entgegen, dass es vielmehr eine »Verschwörungspraxis« der Oberen gebe. Dank der »jüdisch-israelischen Intelligenz« seien nun »bald alle Palästinenser«, so die Rednerin. Mit »Nine eleven«, den Anschlägen auf das New Yorker World-Trade-Center im Jahr 2001, sei man bereits »bei der Systemfrage«. Vielfach beschwor sie einen Wechsel des Denkens: »Es ist eine skrupellose Macht! Wendet Euch ab von dieser Macht!«.

Der abwesende Preisträger erklärte am Donnerstag Abend in einem Interview mit dem Internetsender RT, er habe den Preis ablehnen wollen, weil ein solcher Preis auch »ein Klammergriff« sein könne. Für sein Onlineprogramm KenFM hätte er »schon längst den Grimme-Preis« erhalten können, allein das sei nicht gewollt. Jebsen monierte erneut, dass alle Medien gegen ihn seien. Das sei aber zugleich seine Stärke: »Es gibt keine Seite, die uns gut findet, weder die Liberalen, noch die Konservativen, noch die Linken. Wir machen alles richtig!«


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Kens Welt Der »alternative Journalist« Jebsen

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  • Henning Hagen: Für dumm verkauft Zwei Dinge sind zu diesem Beitrag anzumerken: Zum einen vergaß die Autorin eine ganz offensichtliche Lüge der Betreiberin der NRhZ, Anneliese Fikentscher, zu erwähnen. Sie erklärte, dass Jebsen aus ge...

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