Aus: Ausgabe vom 14.12.2017, Seite 1 / Ausland

Ein Faschist als Munitionswart

Wegen Umtrieben im Netz sind die rechten Kontakte von Schweizer Armeeangehörigen aufgeflogen

Von Florian Sieber
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Gerichtlich angeordnet: Auch Faschisten haben in der Schweiz Anrecht auf eine Armeewaffe

Die Botschaften der »Misanthropic Division Switzerland« sind eindeutig: »Töten für Wotan« und »Rausch der Misanthrophie« steht auf einem Bild auf der Facebook-Seite der Gruppe. Die Betreiber der Seite sehen sich als Vertretung eines gleichnamigen Kampfverbands des faschistischen Regiments Asow, das im Ukrainekonflikt auf Seiten der ukrainischen Regierung kämpft. Das Logo: Ein Schweizerkreuz mit SS-Totenköpfen. Jetzt sind einer Gruppe Schweizer Armeeangehöriger ihre Onlineaktivitäten zum Verhängnis geworden. Die Zeitung La Liberté (Montagausgabe) aus der französischsprachigen Schweiz deckte die Sympathien der fünf Soldaten für die faschistischen Seite auf.

Drei der Aufgeflogenen sind Unteroffiziere, von denen zwei als Feldweibel (entspricht etwa dem Dienstgrad des Feldwebels bei der Bundeswehr) Munitionslager verwalten. Gegenüber jW erklärte Delphine Allemand, Sprecherin der Armee, am Mittwoch das Vorgehen bei dieser Art Verdachtsmomenten: »In solchen Fällen wird die Fachstelle Extremismus in der Armee aktiv und prüft von Fall zu Fall das Vorgehen.« Die Stelle, die mit einer Halbtagskraft besetzt ist, melde ihre Ergebnisse intern weiter. Mögliche Sanktionen reichen vom Einzug der Armeewaffe, die in der Schweiz von Wehrpflichtigen daheim aufbewahrt wird, bis hin zum Ausschluss aus dem Militär. Ob es dazu kommt, ist fraglich: Einem Rekruten, dem die Armee bei der Rekrutierung wegen seiner faschistischen Gesinnung die Waffe verweigerte, wurde 2014 letztinstanzlich recht gegeben, als er dafür klagte, ein Sturmgewehr mit nach Hause nehmen zu dürfen.

Im Februar 2015 war vom Schweizer Journalisten Fabian Eberhard aufgedeckt worden, dass der Schweizer Ableger Misanthropic Division mit dem Ziel gegründet wurde, das Regiment Asow mit Spenden zu unterstützen. Dieses bezieht sich positiv auf den Hitlerfaschismus und ist gemäß dem Hohen Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte mutmaßlich an Kriegsverbrechen wie Folter und Vergewaltigung beteiligt.


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