Aus: Ausgabe vom 13.12.2017, Seite 16 / Sport

Rein in die Reusen!

Von André Dahlmeyer
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Einer geht noch: Maxi »die Bestie« Rodriguez (Peñarol) im »Centenario«

Einen wunderschönen guten Morgen! Der dreimalige Weltpokalgewinner Club Atlético Peñarol hat am Sonntag im legendären WM-Stadion »Centenario« in Montevideo das Endspiel um die Meisterschaft Uruguays gegen Defensor Sporting im Elfmeterschießen mit 4:2 gewonnen. Nach der Verlängerung hatte es 0:0 gestanden.

Vor zwei Wochen hatte Peñarol das Torneo Clausura Uruguays gewonnen, die Rückrunde der Meisterschaft. In deren Verlauf hatte der Klub einen Zehn-Punkte-Rückstand auf den Erzrivalen Nacional, den Verein der Intellektuellen Montevideos, aufgeholt. Der guevaristisch angehauchte Defensor Sporting Club hatte die Hinrunde, das Torneo Apertura, für sich entschieden. (Nebenbei: Das Denfensor-Stadion im Barrio Punta Carretas, einem Viertel der gehobenen Mittelklasse in Montevideo, heißt Estadio Luis Franzini und erinnert an das Meeschestadion der 70er Jahre des damaligen niedersächsischen Verbandsligisten Wolfenbütteler SV, darauf einen Jägi!)

Am 6. Dezember hatten die beiden Teams am selben Ort bereits gegeneinander gespielt. Den Treffer jenes Spiels erzielte Cristian »Cebolla« Rodríguez (ausgerechnet die »runde Zwiebel«!) für Peñarol in der 93. Minute. Damit hatte der Klub in letzter Sekunde die Jahreswertung gewonnen und das Finale gegen Defensor erzwungen.

In diesem musterten sich beide Elfen bis ins kleinste Detail, so werden heutzutage nun mal wichtige Spiele entschieden. Kurz vor der Pause ging ein Kopfball nur deshalb nicht in die Reusen von Peñarol, weil Linksaußen Gastón Rodríguez als Ersatztormann aufpasste und die Kugel gerade noch zur Ecke lenkte.

In der 60. Spielminute setzte Facundo Castro für die Violett-Weißen von Defensor einen 40-Meter-Strafstoß auf die Querlatte, später versuchte es Teamkollege Joaquín Piquerez Moreira mit einem Linksschuss vom Halbmond, der Peñarols Tormann Kevin Dawson keine größeren Probleme bereitete. In der Verlängerung rettete Gastón Rodríguez sein Team in einer Eins-gegen-eins-Situation. Der Rechtsaußen des Gegners, Youngster Diego Rossi, hatte das Nachsehen.

Elfmeterschießen. Für Peñarol verwandelten Kapitän »Cebolla« Rodríguez, Routinier Walter Gargano, Junior Ramón Arias und der Argentinier Lucas Viatri (als der noch bei den Boca Juniors spielte, hat er mal mit einem Kumpel einen Frisiersalon überfallen, die Sache wurde aber unter den Teppich gekehrt, die zuständigen Bullen erwiesen sich als Boca-Fans), während für Defensor lediglich Matías Cabrera und Mathías Cardaccio trafen, die beiden Matzes. Das war zu wenig, weil Piquerez und Héctor Acuña den Ball ungestüm in den Nachthimmel Montevideos donnerten.

Für Peñarol, das im Torneo Clausura lediglich einmal verloren hat, ist es der 51. Meistertitel Uruguays. Hätte Defensor das Spiel gewonnen, wären übrigens noch zwei weitere Endspiele vonnöten gewesen. Das kann man erklären, aber es ist unwahrscheinlich, dass es jemand versteht. Nehmen Sie es einfach so hin. In Argentinien werden ähnlich seltsame Regelwerke manchmal im nñachhinein noch umgeschrieben. Übervorteilt werden dabei, wie Sie sich denken können, die großen Klubs. Für die Copa Libertadores 2018 hat sich neben Defensor und Peñarol auch Nacional qualifiziert. Glück auf!


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