Aus: Ausgabe vom 12.12.2017, Seite 11 / Feuilleton

Ätschi-Bätschi! SPD runderneuert

Von Dusan Deak
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Das kann für die Union richtig teuer werden. Höhepunkt des SPD-Parteitags Ende vergangener Woche war die Andeutung eines Eröffnungsgebots für den Eintritt der Sozialdemokraten in GroKo-Sondierungsgespräche durch Bundestagsfraktionschefin Andrea Nahles. Die Umwandlung des »Nie wieder GroKo« von Parteichef Martin Schulz in ein »Jederzeit, aber« ist demnach nicht zu haben ohne ein gutes Dutzend neuer Zehn-Punkte-Programme, einige Bündel roter Linien und etliche unverhandelbare »No-Gos«.

Zu den Leitplanken der runderneuerten Partei gehört die Verwendung des Ausrufs »Ätschi-Bätschi« in jedem Redebeitrag von Fraktionschefin Nahles. Darüber hinaus will Nahles mindestens zweimal in Jahr im Bundestag mit einem Gesangsquartett (Malu Dreyer, Malu Vyrer, Manuela Schwesig) das Pippi-Langstrumpf-Lied »Ich mach’ mir die Welt, wie sie mir gefällt« anstimmen dürfen. Was die garantierte Anzahl von Auftritten der Rassel-Krabbel-Bande um Olaf Scholz, Johannes Kahrs und Ralf Stegner bei Sandra Maischberger angeht, will die SPD mit sich reden lassen. Genauso beim Turnus der Belehrungen durch den Zollstock-Beauftragten Lothar Binding (»links, von ihnen aus gesehen rechts«). Das Video der Lektion, die Binding beim Parteitag, mit seinem Arbeitsgerät fuchtelnd, dem Volk erteilte, ist in sozialen Netzwerken aktuell beinahe so beliebt wie der legendäre »Gangnam-Style« des südkoreanischen Rappers Psy, der ja in ähnlicher Weise die Sozialpolitik zum Thema hat.

Angesichts solcher Preisvorgaben fragt sich der besorgte Bürger, ob die Mühe überhaupt lohnt. Vielleicht sollte man noch den Winterschlussverkauf abwarten. Die Zeiten der Nichtregierung, die wir jetzt gerade erleben, sind auch nicht schlechter als die davor.

Was mit den Altlasten der vorigen Regierung passieren soll, ist zum Teil offen. Horst Seehofer soll anscheinend in Berlin zwischengelagert werden. Gegen seine spätere Endlagerung im Schacht Konrad bei Salzgitter regt sich massiver Widerstand bei den niedersächsischen Grünen.


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