Aus: Ausgabe vom 12.12.2017, Seite 1 / Inland

Begrenzte Planbarkeit

Vor allem Beschäftigte unter 35 Jahren werden nur befristet eingestellt. Anteil deutlich gestiegen

Von Claudia Wrobel
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Planbarkeit und Sicherheit sind, auch und gerade für junge Menschen, im Berufsleben wichtig. Die Realität sieht für etliche aber anders aus: Der Anteil derjenigen abhängig Beschäftigten, die lediglich einen befristeten Vertrag haben, ist deutlich angestiegen. Besonders stark ist dies in der Altersgruppe der 25- bis 34jährigen der Fall. Waren in dieser Altersgruppe im Jahr 1991 noch 8,4 Prozent der Beschäftigten nur auf Zeit eingestellt, lag ihr Anteil im vergangenen Jahr bereits bei 18,1 Prozent. In absoluten Zahlen bedeutet das fast eine Verdopplung von 756.000 auf 1.446.000 Personen. Dies geht aus der Antwort des Statistischen Bundesamtes auf eine Anfrage der Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann (Die Linke) hervor, über die am Montag zuerst der Deutschlandfunk berichtete.

Zimmermann forderte, der »Befristungsirsinn« müsse gestoppt werden. »Gerade bei jüngeren Menschen sorgen Befristungen dafür, dass sie elementare Dinge des Lebens nicht planen können, wie etwa eine Familiengründung«, so die Linke-Politikerin.

Allgemein stieg bei den über 25jährigen der Anteil der mit Zeitvertrag Beschäftigten von 5,9 im Jahr 1991 auf 8,5 Prozent 2016, also von 1.612.000 Personen auf 2.818.000. Die Statistik ist allerdings nur bedingt aussagekräftig: Daten zu abhängig Beschäftigten unter 25 Jahren werden bei der Berechnung der Befristungsquote nicht berücksichtigt. Gerade in dieser Phase sind befristete Arbeitsverträge allerdings weit verbreitet.

In der Altersgruppe von 35 bis 44 Jahren stieg der Anteil im Vergleichszeitraum von fünf auf 7,8 Prozent an. Bei den 55- bis 64jährigen sank der Wert leicht von 4,4 auf 3,8 Prozent, was aber dennoch einen Anstieg von 127.000 Personen auf 254.000 bedeutet.

Zimmermann machte noch auf ein weiteres Problem aufmerksam: »Befristungen sind zudem grundsätzlich ein Instrument zur Disziplinierung der Beschäftigten und zur Spaltung der Belegschaft.« Sie forderte die neue Bundesregierung auf, zumindest die Möglichkeit der sogenannten sachgrundlosen Befristung abzuschaffen und solche mit einem Sachgrund einzuschränken.


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