Aus: Ausgabe vom 11.12.2017, Seite 8 / Ansichten

Text-Bild-Schere des Tages: AfD Rheinland-Pfalz

Von Claudia Wrobel
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Ob 14jährige solche Krawatten tragen würden, darf bezweifelt werden. Es besteht also noch eine kleine Hoffnung für das Land – politisch und in Fragen der Mode

Kommunikation ist alles. Der 9. Landesparteitag der AfD in Rheinland-Pfalz an diesem Wochenende war aufgefordert, sich mit einem Antrag aus den eigenen Reihen zu beschäftigen. Laut Antragsbuch, das die Partei ins Netz gestellt hat, wollte Harved Wöhrmann erreichen, »künftig alle Wählerinformationen mit Bild-Unterstützung zu verbreiten«. Wöhrmann bringt es auf den Punkt: »Ein Bild ist mehr als tausend Worte«. Zumindest muss man festhalten, dass ein Bild etwas anderes ist als tausend Worte, was und wieviel damit ausgesagt wird, steht auf einem anderen Blatt – beziehungsweise ist dort aufgemalt.

Wöhrmann begründet seinen Antrag, »leicht zu verstehende Bildergeschichten« zu schaffen, bestechend ehrlich: »Unser Wähler hat etwa das Hirn eines 14jährigen.« Folge man seinem Vorschlag wäre man »die erste Partei, die der Wähler versteht«. Als Beleg für seine Expertise auf dem Gebiet der Bildsprache und für deren Einsatz führt er das Buch »Das Monster Tür« an, das Wöhrmann vor mehr als 30 Jahren im Selbstverlag herausgebracht hat. Bis Sonntag fand sich beim Onlinehändler Amazon eine einzige Rezension zu diesem »knallharten Trainingsbuch« zum Haustürverkauf, erstellt vom Autor selbst vor mehr als zehn Jahren: »Der Text beschreibt – ohne fremden Worte – die jeweilige Situation und – bietet je einen Lösungsvorschlag an.«

Seine Lösungsvorschläge sind für die AfD Rheinland-Pfalz offenbar unnötig. Der Landesvorstand empfiehlt, sich mit dem Antrag nicht zu befassen, da der Umgang mit Bildern und Texten »schon flächendeckend so gehandhabt« werde. Das ist schade, denn der Landesvorstand hätte von manchem 14jährigen noch etliches lernen können, beispielsweise den Umgang mit persönlichen Daten im Internet: Im online einsehbaren Antragsbuch sind sämtliche Telefonnummern, private Anschriften und E-Mail-Adressen derjenigen Antragssteller veröffentlicht, die so unvorsichtig waren, sie anzugeben.


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