Aus: Ausgabe vom 08.12.2017, Seite 11 / Feuilleton

Orgel und Dudelsack, Pizza und Maisbrei

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Erklingt recht unabhängig von der räumlichen Umgebung: irisches Dudelsackspiel

Die von der UNESCO geführte Liste des »Immateriellen Kulturerbes der Menschheit« ist bei einer Tagung des zuständigen Komitees auf der südkoreanischen Insel Jeju am Donnerstag um einige Traditionen erweitert worden, darunter das indische Krugfest Kumbh Mela, das iranische Reitspiel Chogan, das System der Wasserrichter im peruanischen Corongo und der malawische Maisbrei Nsima. Zum zweiten Mal wurde ein Aufnahmeantrag aus Deutschland bewilligt. Orgelbau und -musik gehören zu den nunmehr 398 gelisteten Fertigkeiten und Wissensformen.

Nach Angaben der deutschen UNESCO-Kommission musizieren hierzulande derzeit 3.500 hauptamtliche und Zehntausende ehrenamtliche Organisten auf mehr als 50.000 Instrumenten. Jede Orgel sei einzigartig, weil »eigens für den Raum entwickelt, in dem sie später erklingt«, erklärte Kommissionsvertreter Christoph Wulf. Die handwerkliche Tradition werde von 400 Orgelbaubetrieben gepflegt, die etwa 2.800 Mitarbeiter beschäftigten, dazu kämen 180 Auszubildende.

Zwei weitere musikalische Ausdrucksformen aus Europa wurden neu in die Liste aufgenommen, das irische Dudelsackspiel Uilleann Piping und das griechische Rembetiko/Rebetiko (Gesang und Tanz). Aus den Niederlanden wurden die Wind- und Wassermühlen mitsamt dem Müllerhandwerk zum Erbe erklärt, aus Portugal das Tonfigurenhandwerk in Estremoz, dazu kam aus Europa noch die Basler Fasnacht und zuallerletzt eine Kunst, die von allen genannten weltweit wohl die weiteste Verbreitung gefunden hat, wenn auch abgewandelt oder vermanscht, wie die Vereinigung Neapolitanischer Pizzaiuoli vielleicht sagen würde, deren Kurse zu Geschichte, Hilfsmitteln und Techniken des Pizzabackens nunmehr in den Rang der Welterbepflege erhoben wurden. Etwa 3.000 Pizzaiuoli bewahren die kulinarisch-handwerkliche Tradition nach Schätzung der Antragsteller im heutigen Neapel.

Als immaterielles Erbe gelten kulturelle Ausdrucksformen, die nicht »dinglich« sind wie Baudenkmäler, Kultur- oder Naturlandschaften (UNESCO-Welterbe). Sie werden von Generation zu Generation weitergegeben und stärken den sozialen Zusammenhalt. Als erste deutsche Eintragung hatte die Kommission im vergangenen Jahr »Idee und Praxis der Organisation von gemeinsamen Interessen in Genossenschaften« anerkannt. (jW)


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