Aus: Ausgabe vom 08.12.2017, Seite 8 / Ansichten

Abschotter des Tages: Michael Zahn

Von Anselm Lenz
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»Ihre Gewinne bedeuten unmittelbar hohe Mieten für uns MieterInnen«, rief die Sprecherin des Mieterzusammenschlusses deutsche-wohnen-protest.de am 2.6.2017 vor der Berliner Zentrale des Konzerns in Wilmersdorf. Deren Topmanager will die »Kunden« nicht mehr sehen und lässt Schutzwall errichten

Im zynischen bürgerlichen Weltbild ist alles nur eine Wiederholung des Immergleichen. Jeder an seinem Platz hat so seine ganz eigene Aufgabe unter der Sonne. Wo kein Vermieter, da auch keine Mieter. Kommen letztere auf den Gedanken, dass sie ersteren gar nicht brauchen, um ein bisschen Instandhaltung, Versicherung und (selten) bezahlbaren Neubau zu organisieren, dann ist die göttliche Symmetrie gestört: Wo kommen wir denn da hin?

Die Deutsche Wohnen AG mauert sich seit neuestem ein. Denn das Mieterpack macht »massiv Stimmung gegen uns und andere Immobilienunternehmen«, sagte Vorstandschef Michael Zahn der Berliner Morgenpost (Donnerstagausgabe). Er fürchtet sogar einen Mietstreik und die freundliche Übernahme der Konzernzentrale durch die Mieter selbst. Zuletzt seien Flugblätter draußen vor der Tür verteilt worden. Deshalb werde nun ein Sicherheitszaun um die Firmenvilla in Berlin-Wilmersdorf herum errichtet.

Niemand habe vorgehabt, eine Mauer zu errichten. »Aber ein Unternehmenssitz wird keine Selbstverwaltung«, echauffierte sich Zahn im Namen der Aktionäre. Die Kunden des Konzerns, Leute, die steigende Anteile ihrer Einkommen Monat für Monat »zu treuen Händen« überweisen, damit sie in ihrem eigenen Zuhause wohnen bleiben dürfen, gehen dem Konzernmanager Michael Zahn mittlerweile »nur noch auf die Nerven«. Immer diese Kunden …

Zu einem vollständigen Bild gehört leider auch, dass die mehr als 150.000 Wohnungen, aus denen die Deutsche Wohnen AG rauspresst, was rauszupressen ist, von einem Berliner Senat verscheuert worden sind, geführt von SPD und der Partei Die Linke. In diesem Sinne Marx (Manifest): »Ist die Ausbeutung des [Lohnabhängigen] durch den [Eigentümer] soweit beendigt, dass er seinen Arbeitslohn bar ausgezahlt erhält, so fallen die anderen Teile der Bourgeoisie über ihn her, der Hausbesitzer, der Krämer, der Pfandleiher usw.« Das bleibt solange so, bis man es anders macht.


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