Aus: Ausgabe vom 08.12.2017, Seite 5 / Inland

Der nächste Kahlschlag

Nach Siemens und Thyssen-Krupp will nun auch General Electric Tausende Arbeitsplätze vernichten

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Das Firmenlogo von General Electric

Mit den Worten »schmerzhaft, aber notwendig« kündigte der Chef der Kraftwerkssparte von General Electric, Russel Stokes, am Donnerstag eine umfassende Arbeitsplatzvernichtung an. Das US-Konglomerat General Electric (GE) will weltweit rund 12.000 Stellen abbauen. Rund 1.600 Arbeitsplätze sollen dabei in der Bundesrepublik entfallen. Wie Siemens schiebt auch GE den Preisdruck und die schwache Nachfrage nach konventionellen Kraftwerken als wesentliche Gründe für die Entscheidung vor. In der BRD sind die Werke in Mannheim, Stuttgart, Berlin, Mönchengladbach, und Kassel betroffen. Die Fertigungen von »GE Power Conversion« in Berlin und von »GE Grid Solutions« in Mönchengladbach sollen ganz geschlossen werden.

Die IG Metall kündigte umgehend Widerstand gegen die Pläne an. Man werde um die Arbeitsplätze kämpfen. Angesichts der Milliardengewinne in allen Geschäftsfeldern sei der geplante Abbau nicht nachvollziehbar, so Marco Sprengler, Vizeaufsichtsratsvorsitzender der GE Deutschland Holding GmbH und Geschäftsführer der IG Metall Freiburg. Und weiter: »Der vom Personalabbau am stärksten betroffene Geschäftsbereich ›Power‹ trägt weltweit mit 2,11 Milliarden Euro und einer operativen Marge in Höhe von 9,5 Prozent in den ersten drei Quartalen 2017 deutlich zum Konzernergebnis bei.«

General Electric beschäftigt in Deutschland nach eigenen Angaben an mehr als 50 Standorten rund 10.000 Menschen. Bereits Anfang 2016 hatte der Mischkonzern die Streichung Tausender Stellen in Europa angekündigt. Die Pläne ähneln denen des deutschen Unternehmens Siemens, das vor wenigen Wochen Milliardengewinne ausweisen konnte, dann aber verkündete, weltweit mehr als 6.900 Stellen vernichten zu wollen.

Betroffen sind auch Beschäftigte von GE in der Schweiz. Am Donnerstag berichtete der Schweizer Tagesanzeiger: »General Electric baut in der Schweiz 1.400 Stellen ab.« Damit entfiele fast ein Drittel der 4.500 Arbeitsplätze des Konzerns in dem Land. Gerade der Kanton Aargau wäre davon betroffen. Das Vorhaben sei »ein harter Schlag für den Industrie- und Wirtschaftskanton«, zitiert der Tagesanzeiger den zuständigen, sozialdemokratischen Volkswirtschaftsdirektor Urs Hofmann. Er bedauere, dass es zu einem solchen Sparprogramm gekommen sei.

Deutlichere Worte findet der deutsche Linkspartei-Politiker Klaus Ernst. »Das ist Klassenkampf von oben. General Electric ist nach Thyssen-Krupp und Siemens das dritte Unternehmen in Folge, das den sozialen Kompromiss mit den Beschäftigten aufkündigt und trotz Gewinnen Arbeitsplätze vernichtet«, so der stellvertretende Vorsitzende der Linke-Fraktion im Bundestag. Der Konzern würde sich aus der sozialen Verantwortung für seine Beschäftigten stehlen.

Ernst erklärte auch, dass die unternehmerische Freiheit da enden müsse, »wo asoziale Managemententscheidungen das Allgemeinwohl gefährden«. Nötig sei es, die Mitbestimmungsrechte der Beschäftigten auf wirtschaftliche Fragen auszuweiten. Dazu gehöre es, Betriebsräten ein Vetorecht einzuräumen, wenn ohne dringende wirtschaftliche Gründe Massenentlassungen vorgenommen werden sollen. Auch bei »strategischen Entscheidungen der Geschäftsführung« müssten Vertreter der Beschäftigten in Aufsichtsräten einbezogen werden. »Die Linke wird dazu in Kürze einen Gesetzentwurf vorlegen«, so Ernst. (dpa/jW)


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