Aus: Ausgabe vom 06.12.2017, Seite 15 / Antifa

Aus für rechten Klamottenladen

»Nordic Company« muss Geschäftsräume in Hamburg-Barmbek verlassen

Von Kristian Stemmler
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Der Jubel in Barmbek ist groß. In dem früheren Hamburger Arbeiterviertel ist der monatelange Widerstand gegen den Laden »Nordic Company«, der die bei Neonazis beliebte Bekleidungsmarke »Thor Steinar« vertreibt, von Erfolg gekrönt. Das erst im März eröffnete Geschäft muss nach einer Einigung mit dem Vermieter am Freitag vor dem Amtsgericht Barmbek zum 31. Januar 2018 seine Pforten schließen. Das berichtete die Hamburger Regionalausgabe der Taz am Sonntag.

Schon kurz nach der Eröffnung des rechten Klamottenladens hatte es Proteste von Gruppen der Antifa, Initiativen und der Linkspartei gegeben, darunter Demonstrationen und Mahnwachen. Auch ein Teil der Eigentümer des Gebäudekomplexes, in dem das Geschäft sich befindet, schloss sich dem Widerstand an. Als »Eigentümergemeinschaft Fuhlsbütteler Straße 257« verklagten sie den Vermieter. »Wir wussten nichts von der Anmietung«, zitierte die Taz damals den Hausverwalter der Eigentümergemeinschaft.

Im August gab das Amtsgericht den Klägern Recht und verfügte, das Mietverhältnis sei umgehend zu beenden. Der Vermieter legte Widerspruch ein. Am Freitag einigten sich die Parteien vor dem Amtsgericht Barmbek. Die Eigentümergemeinschaft verzichtet laut Taz auf eine sofortige Zwangsvollstreckung. Im Gegenzug verpflichtete sich der Vermieter, seine Räume an keine Verkäufer von Thor-Steinar-Kleidung mehr zu vermieten und den Widerspruch gegen das erste Urteil zurückzuziehen. Damit steht fest: Der Laden muss dichtmachen. In ihrer Urteilsbegründung hob die Richterin hervor, dass der Laden für die Menschen im Stadtteil und die Bewohner des Hauses nicht zumutbar sei.

Mit Genugtuung reagierte Rachid Messaoudi, Abgeordneter der Linksfraktion in der Bezirksversammlung Nord, der sich seit Monaten gegen den »Nordic Company«-Laden engagiert. »Ich freue mich besonders, dass die aktive Gegenwehr aus dem Stadtteil gegen das Eindringen rechter Lifestyle-Unkultur Anlass und Grundlage der Klage der Eigentümergemeinschaft war und letztlich zu diesem Ergebnis geführt hat«, erklärte er in einer Pressemitteilung am Samstag.

Schon mehrfach waren Proteste gegen »Thor Steinar«-Läden erfolgreich. In Berlin-Mitte wurde im November 2010 ein solches Geschäft nach Farbbeutelwürfen und Demonstrationen geschlossen. Auch in Berlin-Friedrichshain war eine Räumungsklage von Erfolg gekrönt. Vor den Gerichten ist in der Regel das Argument ausschlaggebend, dass der Vermieter bei Vertragsabschluss nichts von dem neofaschistischen Hintergrund des Mieters und der Bekleidungsmarke gewusst habe. Kleidung mit dem »Thor Steinar«-Logo gilt allgemein als ein Erkennungsmerkmal der rechten Szene. Skurriles am Rande: Die Herstellerfirma Media Tex wurde 2008 an ein Unternehmen mit Sitz in Dubai verkauft, seitdem wird, wie bei Wikipedia zu lesen ist, die Marke von mehreren Neonazigruppen boykottiert.


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