Aus: Ausgabe vom 05.12.2017, Seite 4 / Inland

Einem wird Seehofer fehlen

Bayerns Ministerpräsident gibt Amt an Söder ab. Grüner Amtskollege bedauert dies

Von Claudia Wangerin
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Ziemlich beste Freunde: Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU,l) mit Baden-Württembergs Regierungschef Winfried Kretschmann (Grüne) auf dem Oktoberfest in München

Die Chemie zwischen diesen beiden Männern hat von Anfang an gestimmt: Baden-Württembergs Landesvater Winfried Kretschmann (Grüne) wird seinen bayerischen Amtskollegen Horst Seehofer (CSU) nach dessen Rückzug vermissen. »Ich habe die ganzen sechseinhalb Jahre, in denen ich Ministerpräsident bin, immer sehr gut mit Horst Seehofer zusammengearbeitet«, sagte Kretschmann am Montag der Schwäbischen Zeitung in Stuttgart. »Insofern bedaure ich sehr, dass er sein Ausscheiden aus dem Amt des Ministerpräsidenten angekündigt hat.«

Dies hatte die Deutsche Presseagentur (dpa) am Sonntag nach einem Treffen der engeren CSU-Parteiführung in München aus Teilnehmerkreisen erfahren. Seehofer will Vorsitzender bleiben, aber sein Amt als Regierungschef des Freistaats im ersten Quartal 2018 an Bayerns derzeitigen Finanz- und Heimatminister Markus Söder abgeben.

»Das Werk ist getan, möchte ich nach fast lückenlosen Gesprächen sagen«, erklärte Seehofer am Montag nach einer knapp dreistündigen Sitzung des Parteivorstands in München. »Im Bereich des ersten Quartals 2018 werde ich meine Amtsgeschäfte übergeben. Das ist nach der bayerischen Verfassung so möglich«, betonte Seehofer. Vorstand und Landtagsfraktion seien zuvor seinem Personalvorschlag einhellig gefolgt. Er gehe davon aus, das dies auch der Parteitag tun werde. Für den Posten des CSU-Chefs will Seehofer Mitte Dezember erneut kandidieren.

Das Verhältnis zwischen dem 68jährigen Seehofer und dem 50jährigen Markus Söder galt bisher als angespannt. Allerdings eher aufgrund von Ähnlichkeiten als aufgrund von Gegensätzen. Bei der CSU-Presse-Weihnachtsfeier 2012 hatte Seehofer sogar vor Journalisten Söder als »vom Ehrgeiz zerfressen« bezeichnet. »Ziemlich beste Feinde« nannte ein Kommentator des Bayerischen Rundfunks am Montag die beiden Politiker. Söder hatte seit Beginn der sogenannten Flüchtlingskrise immer wieder versucht, Seehofer im Schüren von Ängsten zu überbieten und sich mit Law-and-Order-Vorschlägen zu profilieren. Unter anderem hatte er eine Debatte über Grenzzäune in Europa gefordert.

Der schärfste Konkurrent der CSU bei der Landtagswahl 2018 ist dementsprechend die rechtsnationale AfD. Sie wird die Christlich-Soziale Union voraussichtlich die absolute Mehrheit kosten – bei der Bundestagswahl im September hat sie in Bayern mehr als zwölf Prozent der Stimmen geholt.

Seehofer hielt sich am Montag laut dpa noch bedeckt, was seinen möglichen Wechsel in ein neues Bundeskabinett anging: »Ich sage Ihnen gar nichts zu und schließe gar nichts aus.« Primäres Anliegen sei es jetzt, eine arbeitsfähige Regierung zustande zu bringen – das habe man auch dem Bundespräsidenten versprochen. »Kein Mensch kann heute sagen, ob es gelingt.« Weitere Fragen stellten sich jetzt nicht. »Was sich weiter für mich da ergibt, das werden wir sehen«, sagte Seehofer und betonte: »Ich bin jetzt nicht in der Karriereplanung für mich, wirklich nicht.«


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