• Pol & Pott

Aus: Ausgabe vom 02.12.2017, Seite 8 (Beilage) / Wochenendbeilage

Spinat-Sauerampfer-Suppe

»Stars have their moments and then they die«, ist eine Liedzeile von Nick Cave. Sterne haben ihre Momente und dann sterben sie. Greta Garbo, einst der größte Star unter den Hollywoodschauspielerinnen, ist so tot wie die von ihr gespielte Titelfigur am Ende des Films »Anna Karenina« (die wirft sich vor einen Zug, weil sie glaubt, dass ihr Geliebter die Nase voll von ihr hat). Die absolute Verehrung, die der Garbo früher entgegengebracht wurde, ist heute schwer nachvollziehbar. Mit steifem Gang, einem Gesicht, das nur zwei Ausdrucksformen zu kennen scheint (Leid und sehr schweres Leid) bewegt sich die Diva durchs Filmgeschehen. Dazu kommen Dialoge wie in der Holzwerkstatt gehobelt. Andere Zeiten, andere Sprache, könnte man sagen. Leo Tolstois Roman wurde 1878 veröffentlicht, der von David O. Selznick produzierte Film mit Garbo 1935. Aber Tolstois Roman ist immer noch lesenswert und unter den alten Filmen finden sich viele Juwelen. Also kann nur die Garbo schuld daran sein, dass der Film nicht mehr funkt.

Wobei die Tragik schon rüberkommt. Dass sie ihren Sohn nicht wiedersehen darf, den sie über alles liebt – scheußlich. Dass die Gesellschaft sie fallenlässt wie eine heiße Kartoffel – ekelhaft. Dass das Weichei Wronski, ihr Geliebter, sie am Ende im Stich lässt – Mann, oh Mann. Aber die von Garbo gespielte Karenina ist eine Schlaftablette und man versteht überhaupt nicht, warum sie das alles auf sich nimmt. Um Leidenschaft auszudrücken, müsste man zumindest einen Nasenflügel erzittern lassen.

Kulinarisch gesehen ist der Film allerdings eine Wucht. Gleich am Anfang wird ein riesiges Buffet mit russischen Vorspeisen aufgefahren, bei dem man alles zu sehen bekommt: Suppen, Pasteten, Pürees, Puddings und, und, und. Die Russen wissen offensichtlich, wie man Feste feiert. »Die Vorspeisen machen mich hungrig«, ruft einer der geladenen Gäste. Also geht man zu den Hauptspeisen über. Der nun gezeigte Tisch ist ungefähr so lang wie eine Autobahn. Das Wort üppig muss aus dem Russischen kommen. Weil aber gerade die Adventszeit angebrochen ist, sowieso zuviel nebenbei genascht wird und außerdem noch für das große Fest gespart werden muss, gibt es hier ein grundsolides, satt machendes, gesundes Rezept aus der russischen Küche:

Spinat-Sauerampfer-Suppe mit Hühnerbrühe und Kartoffeln: 500 g mehligkochende Kartoffeln mit Schale 20 Minuten in Salzwasser gar kochen. Abschütten, mit kaltem Wasser abschrecken und ausdampfen lassen. Dann schälen und in kleine Würfel schneiden. Vier Eier hart kochen, schälen und grob hacken. Eine Zwiebel in kleine Würfel schneiden. 250 g Blattspinat und 200 g Sauerampfer verlesen, gründlich waschen. Einen EL Butter zerlassen und die Zwiebel darin anschwitzen. Spinat und Sauerampfer tropfnass dazugeben. Zugedeckt fünf Minuten dünsten. Dann einen Liter Hühnerbrühe angießen und einmal aufkochen. Mit dem Stabmixer pürieren, mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss würzen. Die Kartoffelwürfel hinzufügen und in der Suppe wieder erhitzen. Suppe vom Herd nehmen. 200 g saure Sahne und zwei Eigelbe verquirlen, unter die Suppe ziehen. Suppe auf vorgewärmte Teller verteilen und die gehackten Eier darüber geben.


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