Aus: Ausgabe vom 28.11.2017, Seite 8 / Ansichten

Schlechter Verlierer des Tages: Deutsches Kapital

Von Sebastian Carlens
50_Jahre_Container_D_49161258.jpg

BRD-Unternehmen sind besorgt, berichtete Spiegel online am Montag. Denn in der Volksrepublik China geschehen Dinge, die einem deutschen Kaufmann nicht gefallen können: In den Betrieben, an denen sich ausländisches Kapital beteiligt, den »Joint Ventures«, bilden sich Zellen der Kommunistischen Partei. Drei Kollegen mit KPCh-Parteibuch genügen, und schon kann eine Basiseinheit aus der Taufe gehoben werden.

Für die deutschen Kapitalisten das schlimmste: Den Genossen müssen Räume auf Firmenkosten gestellt werden, außerdem können sie sich für ihre politische Tätigkeit freistellen lassen. Dafür hat man doch nicht die DDR plattgemacht und 70 Jahre gegen die Sowjetunion gekämpft, um nun noch Kommunisten die Arbeit finanzieren zu müssen!

Auch die Auslandshandelskammer warnt, dass sich deutsche Unternehmer »aus dem chinesischen Markt zurückziehen oder ihre Investitionsentscheidungen überdenken« könnten. Dies allerdings, und hier riskiert die junge Welt gerne eine kleine Wette, wird nicht passieren. Hätte das deutsche Kapital die Macht, die VR China derart zu erpressen, dass Joint Ventures von der Gesetzgebung (die in China eben die Bildung von Parteizellen in allen Unternehmen zulässt) ausgenommen werden, dann müssten sie nicht drohen. Sie haben diese Macht nicht, und das Land verlassen können sie auch nicht: Dafür ist der Markt zu (überlebens-)wichtig und sind die Profite zu hoch. Deshalb ist die Wahrheit: Das deutsche Kapital wird China erst und genau dann verlassen, wenn es die dortige Regierung richtig findet.

Da man auf der Ebene also nicht mehr gegen die herrschenden Kommunisten ankommt, nimmt man Umwege. Und lässt zum Beispiel einen Jugend-Fußballaustausch platzen, weil man die Gäste aus Fernost unbedingt mit tibetischen Separatistenflaggen schikanieren muss. Schlechte Verlierer eben.


Debatte

Bewerte diesen Artikel:

Mehr aus: Ansichten