Aus: Ausgabe vom 27.11.2017, Seite 15 / Politisches Buch

Gegen Konzerninteressen

Autorenkollektiv beschreibt eine solidarökonomische Alternative zum Imperialismus

Von Christof Mackinger
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Die Autoren der Broschüre »Auf Kosten anderer? Wie die imperiale Lebensweise ein gutes Leben für alle verhindert« des Kollektivs »Imperiale Lebensweise und Ausbeutungsstrukturen im 21. Jahrhundert« (I. L. A.) sehen in der auf Profit und Wachstum basierenden Wirtschaftsweise die zentrale Ursache globaler Probleme. Die imperiale Lebensweise beruhe auf dem Ideal des komfortablen und modernen Lebens mit seiner dauerhaften Verfügbarkeit von Konsumgütern, heißt es. Der Raubbau an natürlichen Ressourcen habe ein Ausmaß angenommen, das an die ökologischen Grenzen der Erde stoße und soziale Konflikte hervorrufe. »Die Folgen werden ausgelagert: Auf den globalen Süden, auf kommende Generationen und auf benachteiligte Gruppen überall.«

Am ganz normalen Alltagsleben in den Zentren der kapitalistischen Welt teilzuhaben bedeute auch, Lebensmittel im Supermarkt zu kaufen, ein Girokonto zu führen, zeitraubende Sorgetätigkeiten auszulagern oder Bildungsabschlüsse zu erwerben. Gesellschaftliche Teilhabe hänge zunehmend von Produkten wie Computern oder Smartphones ab. »Um diese kaufen zu können, sind wir gezwungen, viel Zeit mit Erwerbsarbeit zu verbringen und letztlich die imperiale Lebensweise mitzutragen.« Vor diesem Hintergrund analysieren die Autoren die Bereiche Landwirtschaft, Mobilität, Bildung, Kommunikation, Pflege und Finanzen und versuchen, darin implizite, weltweite Abhängigkeiten und Ungleichheiten nachzuzeichnen.

Das Autorenkollektiv stellt die globalen Folgen der imperialen Lebensweise in den Industriestaaten dar und geht auf politische, soziale und ökologische Probleme ein. In einem abschließenden Kapitel verschafft es dem Leser einen Überblick über Akteure und Handlungsmöglichkeiten, um der Misere des Kaputtwirtschaftens doch noch zu entgehen. Die Autoren machen Hoffnung mit Blick auf solidarökonomische Projekte und alternative Ansätze und motivieren, sich selbst zu organisieren.

Für Einsteiger in die Thematik ist dieses Dossier eine gute Informationsgrundlage zu den Auswirkungen der destruktiven, kapitalistischen Wirtschaftsweise. Die Diskrepanz zwischen den Möglichkeiten individueller Konsumentscheidungen und globalen Entwicklungen wird deutlich gemacht. Unbedingt positiv zu erwähnen sind die anschaulichen Grafiken und das Glossar.

I.-L.-A.- Kollektiv: Auf Kosten anderer? Wie die imperiale Lebensweise ein gutes Leben für alle verhindert. Oekom Verlag, München 2017, 128 S., 19,90 Euro


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