Aus: Ausgabe vom 25.11.2017, Seite 14 / Feuilleton

Nachschlag: In einem andern Land

Panorama | Do., 21.45 Uhr, ARD

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Trauma BRD: »Die Zurückgebliebenen« bekommen jetzt ab und zu wohlmeinenden Besuch von Menschen mit Entmachtungsängsten.

Seit dem politischen Krisenwinter 2014/2015 befindet sich die BRD-Nomenklatura in Berufspolitik und bürgerlichen Medien in einem Abwehrkampf. Nächste Episode der medialen Aufbereitung der eigenen Delegitimierung ist ein Besuch der ARD-»Panorama«-Reporterin Birgit Wärnke in ihrem alten Zuhause, Groß Kreutz, Havel. »Irgendwie brauchen die Krieg«, sagt einer der alten Knaben des Ortes. »Woher kommt dieser Frust, diese Antihaltung, 27 Jahre nach der Wiedervereinigung?«, fragt die TV-Journalistin. Ja, woher wohl? Klar brauchen »sie« das: Die Profitrate fällt.

Eine Handvoll Ost-Gentlemen trifft sich jeden Freitag in einer Garage und trinkt Schnaps. Niemand will hier die AfD gewählt haben, aber man bedient sich, je später der Abend, letztlich doch der vom bürgerlichen Staat aufgetanen Konfliktlinien: Entweder Flüchtlingen helfen oder volkswirtschaftliche Logik. Klar wird wiederum nur eins: Das Konkurrenzsystem des Kapitalismus, genannt »die liberale Gesellschaft«, hat keine Antworten mehr. (ale)


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