Aus: Ausgabe vom 23.11.2017, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

Rettung Becherpfand

Zu jW vom 9. November: »Soziale ­Ausgrenzung«

Die Wirtschaft boomt zügellos, der »Dax« erigiert in historische Höhen, die Arbeitslosenquote erschlafft auf einem statistischen Tiefststand, und das Flaschenpfand ist so üppig wie noch nie. Ja, und demnächst soll dann auch noch ein Becherpfand für Coffee-to-go hinzukommen. – Deutschland geht es gut! Das Land, in dem wir gut und gerne leben!

Reinhard Hopp, per E-Mail

Ungerechte Rentenerhöhung

Zu jW vom 9. November: »Soziale Ausgrenzung«

Die Renten in Deutschland sollen 2018 im Schnitt um mehr als drei Prozent erhöht werden. Das ist für alle Rentner zweifellos eine frohe Botschaft. Aber warum werden diese Rentenerhöhungen stets in Prozentpunkten vorgenommen? Das ist ungerecht! Die hohen Renten wachsen unverhältnismäßig gegenüber den niedrigen Renten. Der Unterschied zwischen Arm und Reich wächst also auch hier unaufhörlich. In Deutschland gibt es Zeitungsberichten zufolge mehr als 500.000 langjährige Rentner, die armutsgefährdet sind. Sie werden also durch diese Art der Rentenerhöhungen besonders benachteiligt. Deshalb sollten die jährlichen Rentenerhöhungen stets mit einem einheitlichen Betrag für alle Rentenbezieher erfolgen. (…)

Dieter Lehmann, Falkenberg/Elster

Abscheulich und unwürdig

Zu jW vom 18./19. November: »Sperrmüll für die Armen«

Die gewährten Summen für einzelne Güter beruhten »auf Erfahrungswerten aus den vergangenen zehn Jahren«, beteuerte Stadtsprecher Jürgen Ramspeck. Muss wohl eher heißen: beruhten »auf Erfahrungswerten von vor zehn Jahren«. Und: »Der Verweis auf den Ankauf gebrauchter Gegenstände ist keine unzumutbare Ausgrenzung gegenüber der übrigen Bevölkerung.« Sicher nicht. Aber was ich z. B. in einer anderen mittelfränkischen Stadt miterleben durfte, war dann doch zu hart. Beschädigte Schränke mit ausgerissenen Scharnieren, Spielschränke mit zerbrochenen Spiegeln und last but not least auch Matratzen mit Flecken, die ich besser hier nicht beschreiben möchte. Das Ganze war so abscheulich und menschenunwürdig, dass das entsetzte Gericht sogar anfragte, ob es die Fotos der »Sozialgegenstände« behalten könne. Wenn dann noch Elektrogeräte gekauft werden sollen, die außer Stromfressen nichts können, dann reichen die 31,50 Euro, die für Strom vorgesehen sind, zumal die meisten ihre Zeit tagsüber eh zu Hause verbringen (müssen), erst recht nicht. Während man den Beziehern von Arbeitslosengeld II und Grundsicherung das Existenzminimum in den letzten zehn Jahren um 64 Euro monatlich erhöht hat, also aufs Jahr gesehen um 768 Euro, haben sich unsere Abgeordneten ihr Existenzminimum um 30.392,88 Euro, ihre Kostenpauschale um 9.784,56 Euro und ihre Mitarbeitergehälter um 70.704,00 Euro erhöht. Ist ja auch schon was …

Karl Miksch, per E-Mail

Che kein Abenteurer

Zu jW vom 18./19. November: »La guerrillera«

Leider behandelt der Autor den Einsatz des Che und weiterer Kubaner im Kongo – ähnlich wie viele bürgerliche Medien – kurz und knapp, aber falsch als »Abenteuer« und Beihilfe bei einem (Zitat) »Revolutionsversuch«. Doch nach der Ermordung des legitimen Präsidenten der Demokratischen Republik Kongo Patrice Lumumba und dem De-facto-Putsch Mobutus in Léopoldville (heute Kinshasa) verlegten Lumumba-treue politische Kräfte ihr Zentrum nach Stanleyville (heute Kisangani), bildeten dort unter Gbenye eine provisorische Gegenregierung und erbaten politische und militärische Hilfe. Weder die UdSSR noch China waren dazu bereit. Da der gesamte Westen Mobutu unterstützte und weiße Söldnerbanden finanzierte, war der Versuch, diesen progressiven Kräften Hilfe zu erweisen, legitim! (1975–1990 hat Kuba gegenüber der VR Angola nicht anders gehandelt.) Der Che war also kein Abenteurer! Bei der Erwähnung des Mordbefehls des bolivianischen Diktators Barrientos sollte man daran erinnern, dass (nach späterer Aussage des Putschisten-Innenministers) dieser Befehl erst nach »Konsultation« mit der CIA erging.

Volker Wirth, per E-Mail

Gelegenheit nutzen

Zu jW vom 20. November: »Abgeschrieben«

(…) Am 7. Juli 2017 haben 122 von 193 UN-Mitgliedsstaaten ein Verbot von Atomwaffen beschlossen. Das ist die absolute Mehrheit, die die Interessen der Menschheit vertritt. Welch eine Schande, dass die US-NATO diese sehr wichtige Entscheidung blockiert. Indien und China erklärten ihre Bereitschaft zur atomaren Abrüstung, wenn die USA mitgehen. (…) Die Russen und die anderen Völker, die 1945 den deutschen Faschismus besiegten und uns den Frieden brachten, werden heute durch deutsche und NATO-Kräfte mit Sanktionen belegt und als Gefahr verleumdet. Das ist unerträglich, denn nicht die Russen bedrohen uns. Sie sind vor 23 Jahren mit ihren Panzern und Raketen friedlich nach Hause gezogen. Die U. S. Army, die erst im Juni 1944 in der Normandie gelandet ist und deren »Dienste« in Westdeutschland die Wiederaufrüstung mit Nazimilitärs befördert haben (Bundeswehr, NATO), unterhält (23 Jahre später) noch immer Militärstützpunkte (für mehr als 50.000 Soldaten) in der BRD. Dort haben sie Atombomben stationiert (welch eine Zielscheibe im Falle eines Atomkrieges!). Von dort führten und führen sie Kriege in Europa (Jugoslawien, Ukraine), Asien (Irak, Jemen, Syrien, Afghanistan) und Afrika (Somalia, Libyen, Sudan …). (…) Die Friedensbewegung wurde in den letzten Jahren zwar intensiv von den (…) Medien des Kapitals und den Geheimdiensten bekämpft. (…) Aber (…) mit den Gewerkschaften und vielfältigen Verbänden, Gruppen und Persönlichkeiten wird es gelingen, die Friedensbewegung zu stärken. (…) Wir haben nur eine einzige wunderbare Erde. Es ist Zeit, endlich die Atomwaffen abzuschaffen. Nutzen wir den Mehrheitsbeschluss der UNO vom Juli und den Friedensnobelpreis von ICAN!

Horst Jäkel, Potsdam

Mit den Gewerkschaften wird es gelingen, die Friedensbewegung zu stärken. Es ist Zeit, endlich die Atomwaffen abzuschaffen.

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