Aus: Ausgabe vom 21.11.2017, Seite 15 / Betrieb & Gewerkschaft

Beamtenbund fordert mehr Personal

Gewerkschaftstag: Scheidender Bundesvorsitzender beklagt schlechte Bezahlung der Staatsbediensteten

Von jW-Bericht
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Ulrich Silberbach, der neugewählte Bundesvorsitzende des Beamtenbunds

Der Gewerkschaftstag des DBB – Beamtenbund und Tarifunion (früher: Deutscher Beamtenbund) in Berlin, der am Sonntag begann, endet am heutigen Dienstag. Die Konferenz, an der etwa 600 stimmberechtigte Delegierte teilnahmen, wies auf den Personalmangel im öffentlichen Dienst hin. Auch die Spitze des Dachverbands wurde neu bestimmt.

Der öffentliche Dienst müsse ein »Stabilitätsanker für dieses Land« sein, führte der scheidende DBB-Bundesvorsitzende Klaus Dauderstädt am Montag aus. Dies gelte umso mehr, wenn bis auf weiteres keine Regierung gebildet werden könne. »Ich halte es mit dem Bundespräsidenten: Die Parteien dürfen sich nicht hinter Neuwahlen verstecken«, so Dauderstädt weiter.

Bereits am Sonntag, vor Beginn des Gewerkschaftstags, hatte Dauderstädt eine Stärkung des Staatsdiensts gefordert. »Erst zu reagieren, wenn die Kollegen in der Lehrerschaft oder bei der Polizei bereits in Ruhestand gehen, ist zu spät«, führte er aus. Bislang habe die Politik derartige demographische Probleme weithin ignoriert, erst langsam ändere sich das.

»Bei Lehrern greift man immer stärker auf Quereinsteiger zurück«, so Dauderstädt. Deren Anteil an den Neuanstellungen betrage bis zu 50 Prozent. Das sei »nicht optimal«. Ein Ingenieur aus einer Berufsschule habe zwar die nötige fachliche Qualifikation, aber nicht unbedingt die pädagogische. In seinen Ausführungen machte Dauder­städt aber auch klar, dass es ihm vor allem um die hohe Zahl der Quereinsteiger gehe, weniger darum, ihre Übernahme in den Schuldienst komplett auszuschließen.

Einer der Gründe, weshalb es an Personal im öffentlichen Dienst mangele, sei, dass er an Attraktivität gegenüber der Privatwirtschaft verliere. »Viele Fachkräfte sagen, eigentlich sind die Aufgaben im öffentlichen Dienst interessant – aber die Bezahlung stimmt im Vergleich zu privaten Unternehmen nicht«, so Dauderstädt am Sonntag. Notwendig sei also eine Anhebung der Gehälter, aber auch eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Der scheidende DBB-Bundesvorsitzende machte auch noch einmal deutlich, dass Staatsdiener vermehrt mit Gewalt konfrontiert seien. Diese treffe aber nicht nur Polizisten und Vollstreckungsbeamte. Auch andere Mitarbeiter – Dauderstädt nannte Beschäftigte von Jobcentern – erlebten mal verbale Anfeindungen, mal physische Gewalt.

Klaus Dauderstädt führte den Dachverband seit 2012, trat am Dienstag aber nicht erneut zur Wahl für das Amt an. Zu seinem Nachfolger wurde Ulrich Silberbach bestimmt, Vorsitzender der Gewerkschaft Komba, die Beschäftigte im Kommunal- und Landesdienst organisiert. Auch er führte aus, dass »ein starkes Deutschland« auf einen leistungsfähigen öffentlichen Dienst angewiesen sei. Silberbach setzte sich gegen den Mitbewerber Ernst G. Walter, Chef der Bundespolizeigewerkschaft und Mitglied der FDP, durch.

Im Beamtenbund sind insgesamt 42 Verbände mit gut 1,3 Millionen Mitgliedern organisiert. Gegenüber dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) mit rund sechs Millionen Mitgliedern ist er der deutlich kleinere Dachverband. In verschiedenen Arbeitskämpfen standen DGB- und DBB-Verbände zusammen, bisweilen machen sie sich auch gegenseitig Konkurrenz. So ringen etwa die im Gewerkschaftsbund organisierte Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) und die beim DBB beheimatete Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) um Mitglieder bei der Bahn. Auch die Gewerkschaft der Polizei und ihr im Beamtenbund organisierter Widerpart, die Deutsche Polizeigewerkschaft, kommen häufiger miteinander in Konflikte.


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