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Droste

Hosenkauf mit Schyscho-Logis

Der große, gutgewachsene Mittfünfziger mit einem marktwainisch jungenhaften Gesicht trank eine Tasse Kaffee; wir plauderten angeregt über Edgar Allan Poe, er erwies sich als zuverlässig belesen und klug, und nichts lag mir ferner, als einem brillanten Kopf Ratschläge zu erteilen. Dennoch empfahl ich ihm dezent, die neuen Übersetzungen Poes von Andreas Nohl nicht ohnbeachtet zu lassen; Nohl ist einer der raren Vertreter der Übersetzungskunst, die seit der Nichtmehrsterblichkeit Harry Rowohlts in diesem täglich dümmer werdenden Land verblieben sind.

Mein Gesprächspartner stand als Mediziner und Psychologe einer Klinik vor, die einen guten Ruf genoss, der gerechtfertigt war; nahezu alle dort Aktiven waren gut oder sogar noch besser. Faule Äpfel gibt es immer und überall, aber sie waren entschieden in der Minderheit. Wenn man versehentlich an blödes Fallobst gerät, ist das nicht schön, aber nichts Persönliches; man soll es sportlich nehmen. »Augen auf beim Hosenkauf«, sagte der kluge Mann zu mir, und da wusste ich, dass ich mich in der Haustür geirrt hatte, was ganz allein auf meine schöne marineblaue Seemannskappe geht.

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Erschienen in der Ausgabe vom 21.11.2017, Seite 11, Feuilleton

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