Aus: Ausgabe vom 21.11.2017, Seite 2 / Ausland

Getrennt marschieren …

… vereint schlagen? Brasiliens KP kürte eigene Präsidentschaftskandidatin

Von Peter Steiniger
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Einheit in Vielfalt: Der Kongress der PC do B am 18. und 19. November in Brasília hatte viel linke Prominenz zu Gast. Mit Manuela d’Ávila (r.) haben die Kommunisten eine zugkräftige Kandidatin in petto

Die Kommunistische Partei von Brasilien (PC do B) hat sich auf ihrem 14. Kongress am vergangenen Wochenende in der Hauptstadt Brasília auf eine neue Taktik festgelegt. Zum dritten Mal in ihrer Geschichte möchte die mit Abstand stärkste marxistisch orientierte Kraft des Landes, die für einen Weg zum Sozialismus in besonderem Maß die nationalen Interessen artikuliert, im kommenden Jahr mit einem eigenen Präsidentschaftskandidaten antreten. Damit könnte sie in der ersten Runde mindestens einen Achtungserfolg erzielen. Als Bewerberin um das höchste Staatsamt wurde Manuela d’Ávila, Abgeordnete im Bundesstaat Rio Grande do Sul, vornominiert. Die 36jährige Politikerin, welche die PC do B auch schon im Nationalparlament vertrat, stammt aus der kommunistischen Studentenbewegung. In ihrer Parteitagsrede wandte sich d’Ávila gegen jene, die »Angst und Hass« schürten. Eine Regierung unter ihrer Führung würde die Gewalt in den Metropolen zurückdrängen, den sozialen Wohnungsbau und die einheimischen Industrien fördern.

Seit 1989 ist d’Ávilas Partei eng mit der Arbeiterpartei PT liiert und unterstützte stets deren Kandidaten um die Präsidentschaft. Politiker der PC do B bekleideten wichtige Ministerposten in den Regierungen der 2016 gestürzten Staatschefin Dilma Rousseff und ihres Vorgängers Luiz Inácio Lula da Silva. Lula möchte im Herbst 2018 erneut antreten, liegt nach Umfragen vorn und gewinnt weiter an Popularität. Allerdings sieht sich der Hoffnungsträger der PT mit Anklagen und Prozessen konfrontiert, die parteiische Richter dazu nutzen könnten, ihm das passive Wahlrecht abzuerkennen. Zugleich arbeitet die rechte Koalition von Staatschef Michel Temer an Plänen zu einer Verschiebung der Wahl. Sowohl ­Manuela d’Ávila als auch KP-Vorsitzende Luciana Santos unterstrichen auf dem Parteitag die Notwendigkeit und das Recht Lulas zu kandidieren. Dieser trat am Sonntag dort selbst als Gastredner auf. Nach scharfer Kritik an der Temer-Regierung warb Lula um die Einheit der Linkskräfte. Eine Belastung im Verhältnis beider Parteien sieht er in dem Schritt der PC do B jedoch nicht. Der Expräsident verwies auf die mobilisierenden Effekte solcher Kampagnen: »Und wenn nötig, gehen wir gemeinsam auf die Straße.«


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Rollback in Brasilien Der rechte Umsturz und der Widerstand

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