Aus: Ausgabe vom 18.11.2017, Seite 9 / Kapital & Arbeit

Sieben Monopolisten

Zu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs

Von Lucas Zeise
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900 Milliarden US-Dollar für angebissenen Apfel: Apple Inc. verzeichnet weltweit höchste Marktkapitalisierung

Die sieben wertvollsten Unternehmen an der Börse sind allesamt Internet- oder Digitalunternehmen. Die Börsenheinis nennen diese Branche auch den »Tech-Sektor«, was für Technologie steht. Das ist eine falsche Bezeichnung, denn die in Frage stehenden Unternehmen stellen in der Mehrzahl die Produkte der neue Technik nicht selbst her, sondern bedienen sich ihrer. Das wertvollste Unternehmen ist Apple mit fast 900 Milliarden Dollar (763 Milliarden Euro) Börsenwert. Es hat ursprünglich Kleincomputer produziert. Heute lässt es Computer und Software fertigen und ist vor allem ein Vermarktungswunder. Microsoft, der Software-Monopolist, rangiert mit gut 600 Milliarden Dollar auf Platz drei dieser Liste. Die anderen fünf Konzerne sind nicht in erster Linie Produzenten und Entwickler der Technik, sondern – zum Teil innovative – Anwender. Es sind in der Reihenfolge ihres Börsenwertes Alphabet (besser bekannt unter dem alten Namen der Suchmaschine Google; 700 Milliarden Dollar), Amazon mit etwa 500 Milliarden Dollar und das Netzwerk Facebook mit ebenfalls knapp 500 Milliarden Dollar Börsenwert. Erst danach kommen Unternehmen, die ihren Sitz nicht in den USA haben. Mit je etwa 450 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung sind es Alibaba und Tencent Holdings, beides chinesische Medien-, Werbe- und Handelsfirmen, die das Internet nutzen und die Kunden in ihre Netzwerke zu locken wissen.

Das Gemeinsame dieser sieben ist natürlich, dass sie außerordentlich profitabel sind und dass die Spekulanten dieser Welt ihnen zutrauen, auch in Zukunft stolze Gewinne einzufahren. Dieser Satz ist eine Trivialität, aber er führt direkt zum nächsten: Die hohen Profite sind – vielleicht ist auch das trivial – Ergebnis eines Monopols. Das Wort Monopol ist hier im Sinne der bürgerlichen Ökonomie gemeint: der (fast) einzige Anbieter in einem Markt zu sein, der deshalb besonders hohe Preise verlangen kann. Das ist bei Microsoft besonders offensichtlich, bei Amazon weniger. Der Versandhändler kann seine Monopolstellung im Einzelhandel nur durch laufende Expansion erhalten. Die Geschichte von Apple zeigt, dass solche Monopole in der Computerbranche schnell verlorengehen, aber auch wiedergewonnen werden können.

Der Gewinn von Apple im vergangenen Geschäftsjahr belief sich auf 48 Milliarden Dollar. Das ist deutlich mehr als das gesamte fixe Anlagekapital des Unternehmens, das mit 34 Milliarden Dollar in der Bilanz steht. Der Rest der Bilanzsumme (von 375 Milliarden Dollar) repräsentiert Apples Beteiligungen an anderen Unternehmen. Wir haben es bei Apple also mit einer Art Fonds zu tun, der das in Hülle und Fülle hereinkommende Geld dazu verwendet, andere Unternehmen oder Teile davon zu erwerben. Es ist diese Geschäftstätigkeit, die Rudolf Hilferding und Wladimir Iljitsch Lenin dazu veranlasst hat, vom Finanzkapital als Form des Monopols zu sprechen. Dazu musste Apple nicht im buchstäblichen Sinn mit einer Bank, dem Geldkapital verschmelzen. Es bedarf angesichts der riesigen Summen des Reingewinns keines Kredits, um Financier zu werden. Apple und die anderen sechs Börsenwunder sind Monopole im bürgerlichen und im Leninschen Sinn.

Unser Autor ist Finanzjournalist und Publizist. Er leitet als Chefredakteur die Wochenzeitung Unsere Zeit (UZ) der DKP


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