Aus: Ausgabe vom 18.11.2017, Seite 1 / Ausland

Keystone-Pipeline nicht ganz dicht

Leckage lässt knapp 800 Tonnen Öl austreten. US-Umweltschützer: Erweiterung stoppen

Demonstration_gegen_54311680.jpg
Protest gegen Bau der Pipeline-Erweiterung »Keystone XL« Anfang August in Lincoln/Nebraska

Es galt bisher als Schreckensszenario von Umweltschützern: Im US-Bundesstaat South Dakota sind aus einem Leck der »Keystone«-Pipeline rund 795.000 Liter Öl ausgetreten. Das teilte die Betreiberfirma Trans Canada mit. Die Leitung wurde demnach am Donnerstag außer Betrieb gesetzt, nachdem ein Druckabfall bemerkt worden war. Der betroffene Abschnitt sei innerhalb von 15 Minuten isoliert worden, beschwichtigte das Unternehmen. Die Ursache der Havarie war bis zum Freitag morgen noch unklar.

Das Unglück ereignete sich knapp fünf Kilometer südöstlich des Ortes Amherst im Bezirk Marshall County. »Es ist eine unterirdisch verlaufende Pipeline, aber einiges Öl ist an die Oberfläche ins Gras aufgestiegen«, sagte Brian Walsh, Sprecher der Umweltbehörde von South Dakota, dem Sender CNN. Es werde einige Tage dauern herauszufinden, ob Grundwasser verseucht wurde. Die Umweltschutzorganisation Sierra Club rief nach dem Vorfall dazu auf, die geplante Erweiterung der Pipeline zu verhindern. Es werde nicht das letzte Mal sein, dass Öl austrete, warnte die Organisation.

Mit der »Keystone XL« soll die 2010 in Betrieb genommene Leitung erweitert werden. Der frühere US-Präsident Barack Obama hatte 2015 den Bau des Erweiterungsprojekts gestoppt. Sein Nachfolger Donald Trump entschied aber im März, dass »Keystone XL« gebaut werden soll. Er argumentierte, dass dies im Interesse des Landes sei. Über die 1.900 Kilometer lange Erweiterung der Röhre sollen täglich bis zu 830.000 Barrel (Fass; insgesamt knapp 132 Millionen Liter) aus Teersand gewonnenes Öl bis zur Küste am Golf von Mexiko gepumpt werden.

Ein Teil der Pipeline im Süden existiert bereits. Umweltschützer befürchten durch den Bau der Leitung höhere Emissionen klimaschädlicher Treibhausgase und warnen immer wieder vor Lecks. Am kommenden Montag will eine Kommission in Nebraska ihre Entscheidung darüber bekanntgeben, ob sie die Genehmigung für die Passage der Pipeline durch den Bundesstaat erteilt. (dpa/jW)


Debatte

Bewerte diesen Artikel:

Mehr aus: Ausland