Aus: Ausgabe vom 17.11.2017, Seite 8 / Ansichten

Kai Diekmann des Tages: Kai Diekmann

Von Sebastian Carlens
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Kai Diekmann hatte das Glück, ein Jahr vor »#MeToo« über eine sexuelle Belästigungsgeschichte zu straucheln. Man mag sich gar nicht vorstellen, wie das alles heutzutage abgelaufen wäre… Doch zur Erinnerung: Diekmann, damals allmächtiger Bild-Herausgeber, soll bei einer Axel-Springer-Tagung in Potsdam eine Angestellte des Verlages zu vorgerückter Stunde ungebührlich bedrängt haben. Prompt trat er zurück, die Ermittlungen verliefen dann irgendwie im Sande. Heute sähe das wohl anders aus: »Bild-Frolleins packen aus: ›Wir mussten Kanzler zu ihm sagen!‹« hieße die Schlagzeile – oder so ähnlich.

Schwein gehabt. Und weich gelandet. Der ehemalige Fake-News-Verbreiter bleibt dem Metier des organisierten Betrugs treu und macht nun in Investments. Mit »einem Freund aus Bielefelder Kindheitstagen« will Diekmann einen »virtuellen Vermögensverwalter« gründen, mit »20 Milliarden Euro Anlegergeldern« rechnet er laut Spiegel online. 20 Milliarden. Kindheitsfreund. Bielefeld! Folgerichtig stinkt die Sache zum Himmel.

Was soll der »Vermögensverwalter« tun? Der »Zukunftsfonds«, der 2018 startet, will »klassische Sparbuchsparer«, die »nur begrenzt Risiko eingehen möchten«, ansprechen. Und »überschaubare Renditen zum geringstmöglichen Risiko« bieten. Also eine Art »Volks-Riester-Rente«, doch in Wahrheit nur Kais »Money making machine«. Denn Diekmann hat sich bekanntlich darauf spezialisiert, florierende Unternehmen (Springer-Verlag) zu infiltrieren, die Auflage nach unten zu treiben und dann vom sinkenden Kahn zu gehen, womöglich nicht, ohne weiblichen Angestellten gegenüber handgemein zu werden. Wieso sollte es plötzlich anders laufen? Wenn die Milliarden zusammen sind und das Schneeballsystem einzustürzen droht, wird er das Land längst verlassen haben – mit einem neuen Vollbarttoupet getarnt.


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