Aus: Ausgabe vom 14.11.2017, Seite 16 / Sport

Hauen und Stechen

Von Marek Lantz
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Hat die Faxen dicke: Rot-Weiß Erfurts Expräsident Rolf Rombach

Das Grand Hotel Abgrund der dritten Liga steht in Erfurt. Sportlich und tabellarisch steckt Rot-Weiß eh in der Krise, liegt man doch bereits mit Rückstand (wenn auch kleinem) auf dem letzten Platz. Allerdings dominiert aktuell vor allem das Hauen und Stechen im Osttraditionsverein die Schlagzeilen. Schon vor knapp zwei Wochen hatte der Aufsichtsrat um seinen Vorsitzenden Peter Kästner den immerhin über 12 Jahre amtierenden Präsidenten Rolf Rombach abgesetzt und an seiner Stelle Frank Nowag ernannt. Kurz darauf wurde zurückgerudert: »Die Vorwürfe gegen Rolf Rombach konnten ausgeräumt werden, die damit verbundene Kritik an ihm akzeptierte er«, vermeldete Kästner. Rombach behielt also seinen Posten. Am vergangenen Freitag stellte er ihn jedoch selbst zur Verfügung. Von »Profilierungsversuchen und einem persönlichen Machtkampf gegenüber meiner Person«, sprach der Expräsident. Der letztlich austauschbare Zankapfel war eine unterschiedliche Interpretation der Höhe des aktuellen Schuldenstands: Von 5,5 Millionen spricht Rombach, seine Gegenspieler taxieren die finanzielle Lücke dagegen auf 6,8 Millionen – ein für derartige Vereinsrangeleien nahezu klassischer Vorgang. Nowag will nun einen Schuldenschnitt herbeiführen, um die Insolvenz abzuwenden. Stimmen die Gläubiger dem nicht zu, droht nach dem üblichen DFB-Procedere der Abzug von 9 Punkten. Angesichts des derzeitigen Tabellenstands wäre dies wohl gleichbedeutend mit dem Abstieg in die Regionalliga.

In dieser beginnt am kommenden Wochenende bereits die Rückrunde. Dabei kommt es in der Südweststaffel, die derzeit von ebenfalls insolvenzerfahrenen Skandalnudeln wie dem 1. FC Saarbrücken und Kickers Offenbach angeführt wird, zu einem vieldiskutierten Novum. Denn in der zweiten Halbserie der aus 19 Vereinen bestehenden Liga tritt immer derjenige Klub, der eigentlich spielfrei hätte, gegen die chinesische U20-Auswahl an. Diese steigt somit quasi außer Konkurrenz in den laufenden Wettbewerb ein. Erster Gegner der jungen Männer aus Fernost ist am Samstag Schott Mainz. 15.000 Euro lässt der chinesische Verband jedem der Sparringsgegner zukommen. Geht es nach dem derzeit arg videobeweis- und schiedsrichteraffärengeplagten DFB-Präsident Reinhard Grindel, soll dies erst der Beginn einer umfangreicheren Kooperation sein. Vergangenen Mittwoch unterzeichnete Grindel eine Absichtserklärung mit dem Rechtsvertreter des chinesischen Verbands, der sich »China Investment Financial Holdings Fund Management Company Limited« nennt.


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